Prickenreihe am Peenemünder Haken gesetzt

Naturschützer setzten die Baumstämmchen am PeenemünderHaken / Brut- und Rastvögel brauchen dort Ruhe

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Alpenstrandläufer am Peenemünder Haken (Foto: NABU Insel Usedom / te)

Peenemünde. Erstmalig wurden an der Ostseeküste vor wenigen Tagen im Naturschutzgebiet Peenemünder Haken auf Usedom Pricken gesetzt. „Was sind Pricken?“, mag sich mancher fragen. Pricken werden normalerweise an der Nordseeküste als Markierung für die Schifffahrt in den sich häufig verändernden, flachen Wattbereichen an den Rändern der Priele verwendet. Dabei handelt es sich um dünne Baumstämmchen, die wegen ihrer Biegsamkeit bei Wind und Wellen vornehmlich aus Birke oder Esche bestehen und etwa einen bis anderthalb Meter in den Boden eingespült werden.

 

Aber warum wurden die Stämmchen nun auf Usedom am Peenemünder Haken eingespült? Ziel der ganzen Aktion ist die bessere Kenntlichmachung der Schutzgebietsgrenze im Strandbereich nordwestlich von Karlshagen, so ein Vertreter der Naturschutzbehörde. Das ganze Jahr hindurch verursachen Spaziergänger, die das Gebiet trotz Verbot, teilweise sogar mit freilaufenden Hunden betreten, sowie Sonnenhungrige und Bernsteinsucher massive Störungen – zum Leidwesen von brütenden, rastenden oder wegen der Mauser flugunfähigen Vögeln.

 

Einige der Arten haben laut einem der im Gebiet tätigen Naturschutzwarte derart hohe Fluchtdistanzen, dass sie ohne Fernglas bzw. Fernrohr gar nicht wahrgenommen werden. Daher müsse der bereits 1923 unter Schutz gestellte Peenemünder Haken als letzter nicht touristisch genutzter Strandabschnitt auf Usedom unbedingt störungsfrei gehalten werden. Mit logistischer Unterstützung des Technischen Hilfswerks Wolgast, das mit drei Mann und zwei kleineren geländegängigen Fahrzeugen zum Einsatz kam, konnten Generator, Pumpe und Schläuche auf eine vorgelagerte Sandbank transportiert werden. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde und des Naturschutzbundes wurde mit einer eigens zu diesem Zweck konstruierten Wasserlanze dann eine Prickenreihe eingespült. Die Baumstämmchen zeigen damit deutlich die Grenze des Naturschutzgebietes an. Dass in dem Gebiet um den Peenemünder Haken keine Wege für die Öffentlichkeit freigegeben sind und auch nicht freigegeben werden, ist auch der Störungsempfindlichkeit vorkommender Großvogelarten. wie Kranich und Seeadler. sowie der in diesem Areal nicht zu unterschätzenden Munitionsverseuchung geschuldet. Vielen Urlaubern, aber auch Einheimischen ist nicht bewusst, dass unbefugtes Betreten von Naturschutzgebieten außerhalb von offiziellen Wegen eine Ordnungswidrigkeit darstellt, die etwa wie Falschparken oder Geschwindigkeitsübertretung mit einem Bußgeld belegt ist. In der Vergangenheit wurden mehrfach entsprechende Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises und auch der Nabu appellieren daher an alle Strandwanderer, aus Vernunft und Einsicht den notwendigen Schutz der Natur zu respektieren und die geschützten Bereiche nicht zu betreten.

Bericht: te

Quelle: Ostseezeitung (28.01.2020)