Immer mehr tote Bäume am Schmollensee

OZ vom 21.09.2012, Dietmar Pühler

Baum für Baum belagern die Kormorane am Schmollensee
Baum für Baum belagern die Kormorane am Schmollensee

 

Insel Usedom Autofahrer, die am Schmollensee in Richtung Pudagla abbiegen, sehen derzeit mit Blick nach links am Seeufer jede Menge Kormorane auf den Bäumen sitzen. Der vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) 2010 zum Vogel des Jahres gekürte Phalacrocorax carbo, so sein wissenschaftlicher Name, erhitzt immer wieder die Gemüter. Schon wird von ansässigen Fischern befürchtet, dass der schwarz gefiederte Meistertaucher die Fischbestände der Usedomer Binnenseen plündern könnte.

Doch da beschwichtigt der Bansiner Ornithologe Bernd Schirmeister mit dem Verweis auf die erheblichen Bestandrückgänge in den vergangenen Jahren. „Dort, wo sie zu Hunderten und Tausenden gesessen haben, ist heute nichts mehr“, sagt er. Rund um den Schmollensee schätzt er den derzeitigen Bestand auf etwa 500 Vögel.

„Insgesamt haben dem Kormoran die letzten Winter übel mitgespielt“, so der Experte, der von einem Rückgang auf die Hälfte des vormaligen Bestandes ausgeht. Etwa 2000 Paare seien den harten Wintern der letzten Jahre zum Opfer gefallen. Schirmeister zufolge gibt es auf Usedom nur eine Brutkolonie am Peenemünder Haken. Dazu kommen in der Region als territorial nächste Brutgebiete noch der Anklamer Stadtbruch und die Melininsel im Swinestrom bei Swinemünde. Die Kormorane, die jetzt am Schmollensee vermehrt zu sehen sind, kommen vermutlich vom Swinestrom. Ist die Brutzeit beendet, verlassen die Altvögel dieses Revier und suchen sich an anderen Gewässern Schlafplätze. Dieses Phänomen, so Schirmeister, wiederholt sich alljährlich im Spätsommer. Der Bansiner Lehrer geht davon aus, dass die mit dem Pelikan verwandten Kormorane unmittelbar am Schmollensee nach wie vor nur schlafen und vorwiegend im Achterwasser, im Stettiner Haff sowie im Peenestrom und in der Ostsee ihren Fischhunger stillen.

Für NABU-Mann Bernd Schirmeister ist derzeit noch unklar, wohin die Reise des Kormorans auf Usedom geht. Aktuell seien die niedrigsten Bestandszahlen seit Mitte der 1990er Jahre zu verzeichnen. „Ob sich die Bestände wieder erholen, ist fraglich“, so der Vogelexperte. Die zahlreichen auf den kahlen Bäumen am Schmollenseeufer sitzenden Kormorane könnten so doch über die tatsächliche Situation des majestätisch anmutenden Vogels hinwegtäuschen.

Dietmar Pühler

 

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