Naturforscher wollen maskuline Sänger zurückholen

OZ vom 07.05.2013, Autor: Radoslaw Jagielski

Flächen auf Halbinsel Karsibor werden für den Seggenrohrsänger vernässt. Ein einzigartiges Bewässerungssystem mit neuen Pumpstationen regelt den Wasserstand.

Noch ein seltener Gast: Der Seggenrohrsänger.
Noch ein seltener Gast: Der Seggenrohrsänger.

 

Swinemünde Die Naturforscher der polnischen Vogelschutzgesellschaft haben auf Karsibor ein einzigartiges Bewässerungssystem gebaut, das optimalen Lebensraum für vom Aussterben bedrohte Vogelarten bieten soll. Es war notwendig geworden, weil das vertrocknete Schutzgebiet nicht genügend Nahrung und keine geeignete Brutbedienungen bieten konnte. Die Forscher erhoffen sich, dass das Projekt dem Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola), einem vom Aussterben bedrohten Wandervogel, dazu verhelfen wird, auf Karsibor wieder heimisch zu werden.

Die Investition wurde im Rahmen eines Projektes LIFE „Schutz des Seggenrohrsängers in Polen und in Deutschland“, das durch die Europäische Union mitfinanziert wird, umgesetzt. Dadurch wurde es möglich, Wasserentnahmestellen und ein Bewässerungssystem zu bauen und somit das Wasser zu Gunsten der Natur zu nutzen.

„Die Zuflüsse von Süßwasser, vermischt mit dem Salzwasser der Ostsee, sind überlebenswichtig für ein gutes Dutzend von salzabhängigen Pflanzenarten (so genannter Halophyten — d. Red.). Zu den Vertretern dieser Pflanzengruppe zählt der auf Karsibor vorhandene Krähenfuß-Wegerich, der ausschließlich hier in Polen wächst“, unterstreicht Maja Piasecka, die Leiterin des Schutzgebietes auf Karsibor.

Im Hochwasserdeich auf Karsibor wurden zwei schließbare Wasserentnahmestellen gebaut. Bei Wassermangel im Schutzgebiet kann Wasser von der Alten Swine zufließen. Dank der zwei Zuflüsse und eines Grabennetzes ist die Bewässerung der Weiden im westlichen Teil, aber auch der Wiese in Osten von Karsibor, möglich. Dort ist der Seggenrohrsänger angesiedelt.

Die Zuflüsse enden mit Schleusen, deren Schließung es ermöglicht, das Wasser auf den Weiden und Wiesen zu halten. Nach der Brutsaison der Vögel ist es möglich, den Wasserspiegel mit Hilfe einer Pumpstation zu senken, um es zu ermöglichen, andere Schutzmaßnahmen, wie Mäharbeiten und die Sammlung von Biomasse, durchzuführen. In Zukunft kann das System das nötige Wasser für die Erhaltung und Wiederherstellung der Lebensräume der Brutvögel und der salzhaltigen Süßwassergebiete mit geschützten Pflanzen im Rahmen von „Natur 2000“ bereitstellen.

Leider beobachten die Naturforscher seit 2000 einen ständigen Rückgang der Seggenrohrsängerpopulation auf Karsibor. Im Jahr 2007 konnte man weniger als 20 singende Männchen feststellen. Vier Jahre später waren es nur noch zwei bis vier und im letzten Jahr wurden keine Männchen mehr gesichtet. Früher konnte man die singenden Männchen auf den Inseln des Wolliner Nationalparks und im östlichen Gebiet von Swinemünde beobachten.

Die Population in Pommern war früher Teil einer größeren Population im Nordwesten Polens und Norddeutschland. In Westpommern verringerte sich die Population von 50 im Jahr 2011 auf etwa 30 im Jahr 2012. Die Ornithologen wissen immer noch wenig darüber, was dem Seggenrohrsänger auf seinen Flugrouten und Winterlagern passiert. Bis jetzt kennt man die Überwinterungsstellen von lediglich 30 Prozent der gesamten Population. „Wir hoffen, dass der Seggenrohrsänger in naher Zukunft nach Karsibor zurückkehrt“ — ergänzt Maja Piasecka.


Der Seggenrohrsänger — auf Polnisch „Wodniczka“ — ist der seltenste Zugvogel unter den Singvögeln Europas. Auf der ganzen Welt gibt es nicht mehr als 17 000 singende Männchen.

Gebrütet wird nur noch in sieben Ländern der Welt, unter anderem in Weißrussland, Polen und der Ukraine. Sein Gesang ist sehr charakteristisch, es erklingt ein eintöniges Schnarren mit kurzen Pfeiftönen. Die ein bis zwei Stunden vor der Morgendämmerung zu hörenden Gesangsstrophen dauern meist nicht länger als drei Sekunden, sind aber bis zu 200 Meter weit zu hören.

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