Auswertung der Wasservogelzählung am 17./18.01.2015

Bernd Schirmeister

1. Zählgebiete, Zähler

 

- Datum 17. Und 18.01., überwiegend wurde am Sonnabend, den 17.01. gezählt, so dass

  Doppelzählungen und Überlagerungen weitestgehend ausgeschlossen werden können,

  einzelne kürzere Teilabschnitte wurden am Freitag bzw. Sonntag erfasst

- insgesamt 14 Zählgebiete auf der Insel, dem angrenzenden Festland und im Peenetal, die international festgelegt sind und eine sitecode- Nummer tragen, alle Zählgebiete wurden vollständig bearbeitet

- auf Usedom waren insgesamt 21 Mitglieder der NABU- Regionalgruppe und Freunde

  beteiligt, Dank an alle Zähler für Mühe und Einsatzbereitschaft sowie gute Arbeit im

  Gelände

- einige Neulinge und Interessenten haben sich weiter erfolgreich eingearbeitet, waren aktiv beteiligt und lassen für die Zukunft der Zählung hoffen

- Rückmeldung der Daten erfolgte innerhalb von knapp zwei Wochen, so dass die

  Endbearbeitung und Auswertung zügig angeschlossen werden konnte

- außerdem internationaler (europaweiter) Zähltermin für Schwäne mit dem Schwerpunkt

  Sing- und Zwergschwäne, wird im 5- Jahresrhythmus durchgeführt

- dazu nationaler Zähltermin für Gänse (jährlich viermal, jeweils Mitte Sep., Nov., Jan., März

- für beide Zählungen sind gesonderte Zählbögen auszufüllen, für die Schwanenzählung

  waren auch Kartenmaterialien zu erstellen

 

2. Wetterbedingungen

 

- ähnlich wie im Vorjahr herrschte bis Mitte Januar wieder durchgehend milde Witterung, was in den Vorjahren ja völlig anders aussah, mit zum Teil zweistelligen Plusgraden, so dass der Winter erneut zu warm war

- es gab nur wenige Male leichten Nachtfrost, der zur kurzzeitigen Vereisung einiger kleiner Gewässer führten, die aber anschließend schnell wieder auftauten

- auf Grund der großräumig stabilen Wetterlage mit durchgehend milder Witterung gab es

  vorher auch keine großräumigen Winterfluchtbewegungen

- alle Gewässer waren am Zählwochenende eisfrei, so dass jeder Zähler Wasser und damit auch Wasservögel vorfand

- zudem waren die Erfassungsbedingungen so günstig wie selten im Mittwinter, an allen drei Tagen war es sonnig bis leicht bewölkt, der Wind war nur mäßig aus Südwest, so dass Wellenbewegungen die Erfassung nicht störten und die Sichtverhältnisse waren

  ausgezeichnet

 

3. Ergebnisse

 

- die langfristig günstigen Wetterbedingungen ließen ähnlich wie im Vorjahr auf ein gutes

  Ergebnis hoffen

- dass die vorjährigen Zahlen bei vielen Arten allerdings so deutlich übertroffen wurden, war eine ganz große Überraschung

- viele Zähler berichteten begeistert aus ihrem Gebiet, einmal durch die komfortablen äußeren Bedingungen, aber auch von den großen Mengen an rastenden Wasservögeln

- während es im vorigen Jahr auf Grund der großräumig milden Wetterlage so war, dass viele Wasservögel auf ihrem Zug gar nicht bis in den südlichen Ostseeraum vorgedrungen waren, sondern nördlich und östlich verblieben waren (Enten, Gänse, Schwäne), hatten und in diesem Jahr große Scharen erreicht, um hier zu rasten

- an jedem Gewässer hielten sich Wasservögel auf, so dass kein Zähler leer ausging, auch wenn die Verteilung keineswegs gleichmäßig war, im Peenetal waren auf den Poldern mit ihrem flachen Wasser nur wenige Wasservögel anzutreffen, weil diese Gebiete schnell vereisen können, auch an der Küste der Ostsee gab es nicht so viel zu zählen, weil alle Gewässer eisfrei waren, so dass es keine Ausweichbewegungen an die Außenküste gab

 

- Jahr                          2015                           2014                           2013

Gesamtzahl                 58338                         41112                         18762

                                (Mildwinter)              (Mildwinter)                    (Eiswinter)

  vergleichbar hohe Zahlen gab es 2008 mit ca. 49000, 1993 mit 43000 Wasservögeln,

  damit neuer Höchstwert für unsere Region

 

Artenzahl                       49                               47                               31

auch dieser Wert  ist sehr hoch, was zeigt, dass ein großes Artenspektrum anzutreffen

war, wenngleich winteruntypische Arten wie z. B. Gründelenten sich nicht in hoher Zahl

bei uns aufgehalten haben

 

Schwerpunktgebiete:      Achterwasser Süd: 14932 Ind.

                                   Peenestrom Süd:    8849 Ind.

                                   Peenestrom Mitte:    5927 Ind.

                                   Achterwasser Nord:  5889 Ind.

 


- häufigste Arten:

                                   2015                           2014                           2013


Stockente                       9106                           7174                           5520

                                   Konzentration am südlichen und mittleren Peenestrom sowie

                                   am Gothensee

Reiherente                      8106                           1689                             390

                            Damit wesentlich höhere Zahl als sonst üblich, offenbar

                                   günstige Nahrungsbedingungen (Dreikantmuscheln) im

                                   Gebiet, hohe Zahlenwaren auch bei den anderen

  Tauchentenarten auffällig

Schellente                       5031                           2149                           1002

                                   Hohe Konzentrationen v. a. im Achterwasser

Gänsesäger                     4441                           3840                           2091

                                   Fisch fressende Art, recht gleichmäßige Verteilung an den

                                   inneren Küstengewässern., aber z. B. auch am Schmollensee

         sehr viele. Sehr häufig waren auch die grauen Gänse

 (Graugans als heimische Art, Saat- und Blässgans

als arktische Zugvögel), die auf Wiesen und Feldern günstige Nahrungsbedingungen fanden, so dass diese Gebiete zur Zählung ebenfalls aufgesucht werden müssen


Graugans                       3794                           3321                           1523

                                   Die Tendenz zu immer stärkerer Überwinterung setzt sich

                                 weiter fort

Blässgans                       4381                           4063                             333

                                   Die Art weicht unter winterlichen Bedingungen nach Holland

                                    aus

Saatgans                         3396                           2067                             577

                                   Ähnlich wie bei der Blässgans, wenngleich etwas winterhärter,

 


- deutlich mehr Vögel:

                                   2015                           2014                           2013

                                   Darunter fallen bereits einige der oben genannten Arten.

Haubentaucher                756                             530                             113

                                   Besonders hohe Zahlen an der Außenküste

Silberreiher                      84                               45                                 0

                                   Tendenz zur Überwinterung auch landesweit zunehmend,

                                   weicht auch auf Felder aus und fängt dort Mäuse

Weißwangengans             729                             274                                 0

                                   Neue Höchstzahl für den Mittwinter, mehrere große Rasttrupps

                                   bei Karlshagen, Kröslin und Usedom

Blässralle                      2120                             650                               93

                                   Großer Rasttrupp am Achterwasser, wo sie Dreikantmuscheln

                                   tauchend in großer Zahl erbeuteten

Singschwan                    467                             264                             128

                                   Nutzen ausschließlich Rapsfelder zur Nahrungsaufnahme und

                                   schlafen auf benachbarten Gewässern, Schwerpunkte am

                                   Wolgaster Ort und um Lassan

Höckerschwan                 982                             580                             427

                                   Nutzen teilweise mit dem Singschwan vergesellschaftet

                                   Rapsfelder, sind aber ebenso auf den Gewässern anzutreffen

Seeadler                        78                                57                               57

                                   Darunter sind neben den heimischen Adlern viele Zuzügler

                                   aus dem gesamten Ostseeraum

 

- gute Übereinstimmung:

                                   2015                           2014                           2013

Kormoran                      3159                           3619                             300

                                   Schlafplatz am Schmollensee wieder gut besetzt, nach hohen

                                   Verlusten in den vergangenen Eiswintern nun wieder

                                   verstärkte Tendenz zur Überwinterung

Graureiher                      222                             194                              82

                                   Typisches Winterverhalten, kann vorteilhaft für die

                                   Revierbesetzung im Frühjahr sein, birgt aber auch Risiken

Bergente                         2035                           2050                           165

                                   Tauchente, die im Herbst v. a. am Peenemünder Haken rastet,

                                  im Winter und Frühjahr jedoch verstärkt an den inneren

                                   Küstengewässern

Eisente                            1460                           502                                6

                                   Häufige Meeresente, die aber oft küstenfern rastet und sich

                                   dann der Beobachtung entzieht

 


- deutlich weniger Vögel

                                   2015                           2014                           2013

Zwergsäger                     890                           1771                             878

                                   Uneinheitliches Bild, von dieser Art wären eigentlich mehr zu

                                  erwarten gewesen, zumal sie oft mit Gänsesägern zusammen

                                   auftreten

Mantelmöwe                     129                             164                             377

                                   Überraschend wenig, aber vielleicht östlich überwinternd

 

- schwankende Bestände

                                   2015                           2014                           2013

Silbermöwe                    1281                             940                           2116

Sturmmöwe                     2123                           1532                             420

                                   Beide Arten suchen auch offshore nach Nahrung und                                      können dann der Erfassung entgehen, die Sturmmöwe                                    nutzt bei hohen Niederschlägen wie in diesem Jahr verstärkt 

                                   Regenwürmer in Wiesenblänken


- interessante Besonderheiten:

Verschiedene Gründelentenarten

            Pfeifente: 62, in der westlichen Ostsee und an der Nordsee                                                        Überwinterung in großer  Zahl, aber soweit östlich deutlich

                              seltener

            Schnatterente: 1, immer wieder Überwinterungsversuche

Löffelente: 1,     nur ausnahmsweiser Wintergast, reiner Zugvogel ins

                     Mittelmeergebiet

Spießente: 3, osteuropäischer Brutvogel, recht winterhart, hier aber selten         

Krickente: 21, kleinste heimische Entenart, braucht Flachwasser zum Gründeln

          Mandarinente: 5 Männchen, am Schloonsee, dort schon längere Zeit anwesend,

                              offenbar aus einer Wasservogelzucht stammend, asiatische Art

           Brautente: 6 (3,3), ebenfalls am Schloonsee, amerikanische Art, wird gern

                               gehalten

           Kranich: 15, mehrere kleine Zugtrupps, in Westmecklenburg schon Hunderte

                           Überwinterer

             Kiebitz: 20, zwei Trupps am Schmollensee und bei Dewichow, in diesem Jahr                               überall im Land Überwinterungstrupps           

            Goldregenpfeifer: 40, im Thurbruch, sehr ungewöhnlich, an der Nordsee bereits

                                               Regulärer Wintergast

  Großer Brachvogel: 52, am Peenemünder Haken, fast immer im Winter ein

                               Schlafplatz

            Eisvogel: 10, erfreulich hohe Zahl, die hoffen lässt, dass winterliche Verluste der

                             vergangenen Jahre durch Bruten im Frühjahr ausgeglichen werden

                             können

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