Exkursion zum Polder Kamp am 7.10. 2017

Bericht und Fotos von Bernd Schirmeister uund Marisa Kaster

Zu den Kranichen sollte es gehen, die Anfang Oktober im Peenetal in großer Zahl rasten.

 

Pünktlich um 07.00 Uhr fanden sich die acht Teilnehmer der Exkursion im ersten Tageslicht  an der Franzosenlinde in Bargischow ein. Es wurde höchste Zeit, denn auf der kurzen Weiterfahrt durch die weitläufige Wiesenlandschaft zum Polder Kamp kamen uns bereits Hunderte Kraniche entgegen. Also raus aus dem Auto und dann war der morgendliche Abflug auch in vollem Gange. Trupp auf Trupp erhob sich aus dem Flachwasser, wo die Kraniche geschützt vor Bodenfeinden die Nacht verbracht hatten. Laut trompetend formierten sie sich in Keilformationen, um in der Nähe liegende Ackerflächen aufzusuchen. Vor allem Mais von frisch abgeernteten Flächen steht jetzt hoch im Kurs als energiereiche Nahrung, die die Kraniche unbedingt brauchen, um sich für den Weiterflug in die spanischen Winterquartiere entsprechende Reserven anzufuttern. Zwischen dem Trompeten der Altvögel waren auch immer wieder die leise fiependen Kontaktrufe der Jungvögel zu hören, die von erfolgreicher Reproduktion kündeten.

 

Die Tausende Kraniche waren aber bei weitem nicht die einzigen nächtlichen Gäste im Polder. Zeitgleich flogen auch große Scharen Gänse ab, überwiegend Graugänse, aber auch die Rufe der ersten nordischen Bläss- und Saatgänse waren zu hören. Sie machen hier bis in den Winter hinein Zwischenstation, während die Kraniche Ende Oktober weiterziehen.

 

Nun waren auch die Kormorane wach. In großen Schwärmen erhoben sie sich aus den Bäumen am Rand des Polders, formierten sich zu langen Ketten und zogen zum Fischen auf den Peenestrom hinaus. Die Brutkolonie im Polder Kamp, die mehr als 3000 BP umfasste, ist seit diesem Jahr auf Grund des Zusammenbruchs der Baumbestände, die keine Auflagen für die großen Nester mehr bieten, erloschen. Der Polder wird aber noch als Schlafplatz und als Tagesruheplatz intensiv genutzt, da es in den umliegenden Gewässern eine sehr gute Nahrungsgrundlage gibt. Über die Abflugrichtung sind sich die Kormorane immer einig. Sie wissen, ob sich die Fischzüge im Stettiner Haff, Achterwasser oder am Peenestrom lohnen.

 

Dieses beeindruckende morgendliche Fluggeschehen begeisterte alle Teilnehmer. Optisch ein Hochgenuss, akustisch ebenfalls, das Trompeten der Kraniche, die vielstimmigen Rufe der Gänse, das Flügelrauschen der Kormorane- irgendwie auch Usedomer Musikfestival.

 

Es sollte aber bei weitem nicht der letzte starke Flugverkehr des Tages gewesen sein. Aber erstmal ging es zum Peenestrom mit den Resten der Karniner Hubbrücke. Zahlreiche der dort brütenden Dohlen waren noch vor Ort, ebenso rastende Mantel- und Steppenmöwen. Die ersten Kormorane waren auch schon satt und ein gelb farbberingter Vogel konnte abgelesen werden.

 

Die nun folgende Kaffeepause war von Marisa und Edeltraut sehr umsichtig und liebevoll vorbereitet worden. Equipmentmäßig fehlte es an nichts und der von Edeltraut gebackene Kuchen begeisterte erneut alle Teilnehmer.

 

Danach setzten wir unsere Exkursion entlang des alten Eisenbahndammes der ehemaligen Strecke Berlin (Ducherow)- Swinemünde fort. Bald wurde klar, dass der Damm heute eine wichtige Leitlinie des Vogelzuges bildet und es gab ein unerwartetes und spektakuläres Zuggeschehen bei den Singvögeln. Nach den ersten großen Schwärmen von Buchfinken, Erlenzeisigen und Ringeltauben auf dieses Phänomen aufmerksam geworden, schauten wir nun genauer hin. Gewaltige Mengen, in den ersten Morgenstunden konnte man von einem ununterbrochenen Strom von Kleinvögeln sprechen, kamen von Norden herangezogen und setzten ihren Weg in südliche Richtung fort. Viele Arten wie Sing- und Misteldrosseln, Buch- und Bergfinken, Stare, Rauchschwalben und Wiesenpieper flogen einfach drüber hinweg, teilweise auch in breiterer Front, wie Blicke durch die Ferngläser immer wieder zeigten. Eine Reihe von Arten nutzte beim Zug jedoch die Deckung und Schutz bietenden Bäume, Büsche und Hecken des alten Bahndammes bewusst aus und fiel immer wieder zu kurzen Zwischenstopps ein. Wie sinnvoll das war, zeigte sich in mitfliegenden Greifvögeln wie Habicht, Sperbern und Rohrweihe. Besonders auffällig waren größere Gruppen ziehender Eichelhäher, die in niedrigem Flug über unsere Köpfe nach Süden zogen. Aber auch Amseln, Singdrosseln, Kohl-, Blau- und Tannenmeisen waren zahlreich unterwegs. Schön beobachten ließen sich immer wieder Gruppen von Bartmeisen, die teils niedrig über das Schilf zogen, aber manchmal auch zu den typischen Höhenflügen aufstiegen.

 

Von der erhöhten Position auf dem Bahndamm hatten wir sehr gute Ausblicke auf die Polder Kamp West und Kamp Ost, in denen zahlreiche Wasservögel rasteten. Hunderte Stock-, Pfeif-, Schnatter- und Löffelenten hielten sich auf dem Wasser auf, weitere Schwärme zogen Trupp auf Trupp vom Haff her über uns hinweg. Die Gründelenten zeigten sich vielfach bereits wieder umgemausert ins Brutkleid, so dass sich die herrlichen Farben aus nächster Nähe betrachten ließen. Dazu kamen noch viele Limicolen wie Kiebitze, Bekassinen, Dunkel Wasserläufer und Alpenstrandläufer, die auf den zahlreichen Schlamminseln rasteten. Wolfgang, Joachim und Bernd hatten ihre Spektive mit, so dass sich die Arten auch auf größere Entfernung ungestört beobachten ließen. Störend waren nur die vielen Seeadler, die immer wieder ins Geschehen eingriffen und die Massen zum Auffliegen brachten. Ein Seeadler verhinderte mit seinem Jagdflug auch die Ablesung eines Kormorans mit blauem Farbring. Das dürfte ihm egal gewesen sein, denn er hatte Hunger.

 

Noch ein Wort zu Petrus, der offenbar kein so großer Vogelfreund ist. Schon morgens in der Dunkelheit hatten uns die ersten Regenschauer ereilt. Danach klarte es glücklicherweise etwas auf und wir hatten einige trockene Stunden mit kurzen sonnigen Abschnitten. Gleich war auch der Wind ein Thema und wehte uns kräftig von Nordwesten ins Gesicht. Aber der Regen gewann und die Abstände zwischen den Schauern wurden immer kürzer. Da alle Teilnehmer jedoch witterungsgerecht angezogen waren, tat das der guten Stimmung und der Freude an den Beobachtungen und der erlebten Artenvielfalt keinen so großen Abbruch.

 

Über Rosenhagen ging es jetzt zurück in die weitläufige Polderlandschaft. Vom dortigen Aussichtsturm ließ sich die Großräumigkeit und Unzerschnittenheit der aquatischen Lebensräume sehr anschaulich wahrnehmen. Auch die Wiesen in Richtung Bugewitz waren von den vielen Niederschlägen des Jahres noch sehr nass und boten Gänsen und Limicolen geeignete Rast- und Nahrungsplätze. Bei Bugewitz war ein Maisacker frisch getellert. Das war ca. 1000 Gänsen, etlichen Kranichen sowie Sturm- und Lachmöwen nicht verborgen geblieben. Jeder hielt Nachlese auf dem Acker.

 

Nun war es Zeit, sich zu verabschieden und den Heimweg anzutreten. Über Neu Kosenow erreichten wir die B109 und mit dichtem Straßenverkehr und Stau auch wieder die Zivilisation. Welch ein Gegensatz zum eben Erlebten!

 

 

Bernd Schirmeister

 

 

Beobachtungsliste der Exkursion vom 07.10.2017 in den Polder Kamp- Rosenhagen- Bugewitz

 

(07.00- 12.30 Uhr, 11°C, bedeckt, frischer NW- Wind, mehrfach Regenschauer ,

 

Sicht: gut, Waserstand in den Poldern: hoch)

 

 

 

Haubentaucher:                           2

 

Kormoran:                         12000 (morgens Abflug vom Schlafplatz)

 

Graureiher:                               16

 

Silberreiher:                             10

 

Stockente:                            1300 (z. T. rastend, z. T. nach W)

 

Schnatterente:                         350

 

Pfeifente:                              6600 (4200 rastend, 2400 nach W)

 

Löffelente:                             580

 

Spießente:                            1750 (1050 rastend, 700 nach W)

 

Krickente:                            1050

 

Knäkente:                                  2

 

Reiherente:                             900 (300 rastend, 600 nach W)

 

Graugans:                            2700

 

Blässgans:                            1600

 

Höckerschwan:                        46 (ad. 32, juv. 14: 2x2, 2x5)

 

Mäusebussard:                          2

 

Seeadler:                                  11 (ad. 2x2, immat. 7)

 

Habicht:                                    1 (juv.)

 

Sperber:                                    2 (2, 0, nach SW)

 

Rohrweihe:                               1 (0 ,1)

 

Wanderfalke:                            1

 

Kranich:                               4000 (morgens Abflug vom Schlafplatz)

 

Blässralle:                                 11

 

Teichralle:                                 1

 

Wasserralle:                              2 (2x1 rufend)

 

Kiebitz:                               2090       

 

Kiebitzregenpfeifer:                  4

 

Bekassine:                                11

 

Dunkler Wasserläufer:             14

 

Knutt:                                        2

 

Alpenstrandläufer:                    41

 

Zwergstrandläufer:                    2

 

Kampfläufer:                             2 (2, 0)      

 

Mantelmöwe:                            6 (ad., Hubbrücke Karnin)

 

Silbermöwe:                              2 (juv., Kamp Ost)

 

Steppenmöwe:                          7 (ad. 2, juv. 5)

 

Sturmmöwe:                          106 (ad. 3, juv. 3 Kamp Ost, ca. 100 Maisacker) Lachmöwe:                            630 (morgens abflieg. Schlafpl., 50 Maisacker)

 

Ringeltaube:                           470 (in Trupps nach SW)

 

Eisvogel:                                   2 (Karniner Brücke, Kamp Ost)

 

Feldlerche:                                8

 

Rauchschwalbe:                       49 (nach S)

 

Bartmeise:                                48 (in Trupps nach S)

 

Beutelmeise:                              1

 

Kolkrabe:                                  2

 

Nebelkrähe:                              2

 

Dohle:                                      30 (Hubbrücke Karnin)

 

 

 

Zug nach S- SW:

 

 

 

Eichelhäher:                           152 (mehrere Trupps)

 

Amsel:                                     35 ( ca. 10 Eisenbahndamm, 25 tagziehend)

 

Singdrossel:                           400 (ca. 50 rastend, ca. 350 tagziehend)

 

Wacholderdrossel:                   52 (mehrere Trupps)

 

Misteldrossel:                            4 (2x2)

 

Bachstelze:                               12

 

Wiesenpieper:                        160

 

Kohlmeise:                               70

 

Blaumeise:                              190

 

Tannenmeise:                           17

 

Star:                                     2800 (1450 Abflug Schlafplatz, 1350 nach SW)

 

Buchfink:                             8400

 

Bergfink:                                   60

 

Bluthänfling:                           110

 

Stieglitz:                                      5

 

Erlenzeisig:                          1800

 

Birkenzeisig:                             12

 

Rohrammer:                                          8

 

 

 

Bernd Schirmeister

 

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