Aktuelles von der Insel Usedom

Hier berichten wir über aktuelle Ereignisse und Beobachtungen aus dem Naturleben der Insel Usedom. Berichte aus den Vorjahren finden Sie im Archiv

 

Lokale Berichte und Beobachtungen(allgemeine Aktivitäten und Beobachtungen auf Usedom)

Projekte und Aktivitäten(Arbeitseinsätze, Naturschutzprojekte)

Exkursionen und Veranstaltungen(gemeinsame Entdeckungen rund um die Insel Usedom) 



Geflügelpest (Vogelgrippe)

Auch wenn die aktuellen winterlichen Bedingungen anderes vermuten lassen – viele unserer Zugvögel machen sich langsam auf die „Heimreise“. Den meisten Menschen sind die Bilder von toten Kranichen, Gänsen und anderen Wildvögeln im Herbst im Gedächtnis geblieben – und auch die mediale Berichterstattung dreht sich bereits wieder um dieses Thema und die Gefahr erneuter Ausbrüche durch die Rückkehr der Wildvögel.


Für uns Grund genug, einen Blick in die Wissenschaft zu werfen.

 

Die Geflügelpest ist keine neue Krankheit. Seit Jahrzehnten treten Ausbrüche in Geflügelbeständen auf, doch in den letzten 30 Jahren hat sich das Virus weltweit ausgebreitet und weiterentwickelt. Besonders aggressiv ist der Virustyp H5N1, der inzwischen regelmäßig Massenerkrankungen und Todesfälle bei Wildvögeln verursacht, darunter auch geschützte Arten wie Kraniche.

 

Die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) beschäftigt schon seit vielen Jahren den Naturschutz, die Landwirtschaft und die Politik. Bereits beim ersten großen Ausbruch 2006, der insbesondere Höckerschwäne betraf, analysierte der Wissenschaftler Klaus Steiof die Ereignisse detailliert. Er beschrieb bereits damals Zusammenhänge zwischen Geflügelwirtschaft, Virusentwicklung und dem Auftreten bei Wildvögeln. Nun haben Klaus Steiof und Peter Petermann eine neue Publikation zu diesem Thema veröffentlicht.

 

Schon in den ersten Studien stellte sich die Frage, ob tatsächlich Wildvögel die primären Verursacher sind oder doch eher Opfer der intensiven Geflügelhaltung. Diese Diskussion begleitet uns bis heute. 

Entstehung der Vogelgrippe-Viren

Die Wissenschaftler legen in ihrer Studie dar, dass in der Geflügelwirtschaft seit langem niedrig-pathogene Influenzaviren (LPAI) zirkulieren, die meist milde oder unauffällige Erkrankungen verursachen und aus diesem Grund oft auch unentdeckt bleiben. Vor allem in großen, dichtbesetzten Tierhaltungen können sich diese Viren allerdings verändern und zu hochpathogenen Varianten entwickeln, die bei Geflügel sehr tödlich sind.

 

Diese hochpathogenen Viren können anschließend über Transporte, Menschen, Futter oder Abwässer in die Umwelt gelangen und dort Wildvögel infizieren. Diese erkranken ebenfalls schwer. Sie zeigen neurologische Störungen, verlieren ihre Flugfähigkeit und sterben oftmals an den Folgen der Infektion. 

Beispiel: Kraniche 2025

Warnschild Geflügelpest / ©NABU Iris Barthel
Warnschild Geflügelpest / ©NABU Iris Barthel

Beim massenhaften Kranichsterben im Herbst 2025 konnte nachvollzogen werden, dass die Virusvariante zunächst in Geflügelständen nachgewiesen wurde. Erst später traten die Erkrankungen bei den Wildvögeln auf, es wird angenommen, dass die Ansteckung über kontaminiertes Futter, belastete Gewässer oder indirekte Einträge erfolgte. Für den Naturschutz besonders alarmierend: Kraniche sind langlebige Tiere mit niedriger Reproduktionsrate. Massenverluste können sich daher langfristig negativ auf die Bestände auswirken.

Wildvogel-These

Entgegen den Studien der beiden Wissenschaftler wird auch die Auffassung vertreten, dass Wildvögel die hochpathogenen Viren in sich tragen und verbreiten (Klassische Geflügelpest | Friedrich-Loeffler-Institut). Diese These wird allerdings von verschiedenen Fachleuten kritisch hinterfragt. Kritiker argumentieren, dass bei zahlreichen Ausbrüchen hochpathogene Viren zunächst in Geflügelhaltungen nachgewiesen wurden und Wildvögel erst im Anschluss betroffen waren. Sie bemängeln außerdem, dass frühere Analysen in der öffentlichen Berichterstattung nur unzureichend berücksichtigt werden und vor allem in den Medien, aber auch in der Politik, einseitig betrachtet werden. Dabei ist aus naturschutzfachlicher Sicht eine offene und transparente Diskussion über die tatsächlichen Entstehungs- und Verbreitungswege notwendig. 

Was jetzt notwendig ist

Um die Vogelgrippe wirksam zu bekämpfen, braucht es ein Umdenken. Dazu gehört es auch, Bedingungen zu schaffe, um Viruszirkulationen in der Geflügelwirtschaft frühzeitig zu erkennen und Biosicherheitsmaßnahmen in großen Tierhaltungen zu verbessern.

 

Nur wenn die tatsächlichen Entstehungs- und Verbreitungswege ernsthaft untersucht werden, lassen sich langfristige Lösungen zum Schutz von Nutztieren und Wildvögeln entwickeln.

Fazit

Die Geflügelpest berührt unterschiedliche Interessen: Tiergesundheit, Naturschutz, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und wirtschaftliche Stabilität. Maßnahmen zur Eindämmung betreffen nicht nur Wildvögel, sondern auch Betriebe und ganze Wirtschaftszweige.

 

Umso wichtiger ist es, mögliche Ursachen offen zu untersuchen, einschließlich der Rolle intensiver Tierhaltungssysteme. Nur wenn alle Einflussfaktoren transparent geprüft werden, lassen sich nachhaltige Lösungen entwickeln.

 

Wir plädieren daher für eine wissenschaftlich transparente Ursachenforschung und eine sachliche Diskussion ohne vorschnelle Schuldzuweisungen. Wildvögel sollten nicht als Sündenböcke, sondern als Leidtragende angesehen werden.

20. Februar 2026


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