Erlebnisse bei der Mittwinterzählung

Jedes Jahr Mitte Januar findet europaweit die internationale Mittwinterzählung der Wasservögel statt – ein fester Termin im Kalender vieler Vogelliebhaber. Auch die NABU-Gruppe auf Usedom ist seit Jahrzehnten mit dabei.

Zwei unserer Mitstreiterinnen teilen in diesem Bericht ihre Erlebnisse.


Zwei Tage Mittwinterzählung der Wasservögel – Nebel, Sonne und viele gefiederte Begegnungen

am Zinnowitzer Ostseestrand / ©Jana Freitag
am Zinnowitzer Ostseestrand / ©Jana Freitag

Für mich gehört inzwischen der ostseeseitige Streckenabschnitt zwischen Zinnowitz und Peenemünde dazu, den ich seit einigen Jahren begleite. Eine wunderbare Gelegenheit, Artenkenntnisse zu vertiefen und die Zählmethoden zu üben. In diesem Jahr kam eine neue Aufgabe hinzu: Ich unterstützte erstmals auch die Strecke von Kölpinsee bis Zinnowitz, da hier ein Generationenwechsel ansteht. Praktisch – denn dieser Abschnitt schließt direkt an meine „Hauptstrecke“ an.

Tag 1: Nebel und Kälte

Am Samstag starteten wir um 9 Uhr in Zinnowitz. Dichter Nebel, Temperaturen um 1–2 °C – nicht gerade ideale Bedingungen für Vogelzählungen. Doch wir ließen uns nicht entmutigen und wurden positiv überrascht: Vor allem Möwen waren zahlreich am Strand unterwegs, offensichtlich auf Nahrungssuche. Mit etwas Geduld und geschärften Augen entdeckten wir außerdem Berg- und Reiherenten, einige Trauerenten sowie die hübschen Eisenten. Auch ein paar Mittelsäger und Haubentaucher schafften es auf unsere Zählliste.

 

An den weiteren Zählpunkten in Zempin und Koserow bestätigte sich dieses Artenspektrum, auch wenn der Nebel viele Entengruppen nur schwer oder gar nicht bestimmbar machte. In Koserow wartete dann eine größere Ansammlung von Kormoranen auf uns, zu denen sich auch Gänsesäger gesellten. Fast unbemerkt blieb zunächst der kleine Zwergsäger – aber eben nur fast: Im letzten Moment zeigte er sich doch noch. In Kölpinsee endete schließlich unsere Zählstrecke.

Das Team Kölpinsee - Zinnowitz / ©Jana Freitag
Das Team Kölpinsee - Zinnowitz / ©Jana Freitag

Tag 2: Sonne, Frost und ein Ringfund

Am Sonntag trafen wir uns erneut in Zinnowitz, diesmal schon um 8:30 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein und -2°C. Der Wind hatte etwas aufgefrischt, entsprechend war der Wellengang stärker als am Vortag. Dafür reichte der Blick nun deutlich weiter hinaus aufs Wasser. Am Strand tummelten sich wieder mehrere hundert Möwen – und die leise Hoffnung: Darunter muss doch mindestens eine beringte sein. Tatsächlich blitzte bald ein silberner Ring auf, doch Entfernung, Lichtverhältnisse und vorbeispazierende Strandgäste machten ein Ablesen unmöglich. Dann plötzlich: eine Möwe mit blauem Ring! Den konnten wir mit dem Spektiv gut erfassen – ein echter Glücksmoment und ein motivierender Start in den Tag.

 

In Trassenheide begegneten uns erneut zahlreiche Möwen sowie Berg-, Trauer- und Reiherenten, dazu wieder Eisenten. Auffällig war, dass es deutlich weniger Taucher gab und weder Mittel- noch Gänsesäger zu sehen waren.

 

Die letzte Station führte uns nach Kienheide, wo dicke Eisschollen das Strandbild prägten. Entsprechend fehlten die erwarteten Limikolen vollständig, und auch sonst blieb das Artenspektrum überschaubar – nur vereinzelte Trupps verschiedener Entenarten ließen sich sehen.

Fazit

Zwei Tage draußen, bei ganz unterschiedlichen Wetterbedingungen, mit vielen spannenden Beobachtungen und neuen Erfahrungen. Nun erwarte ich mit Vorfreude die Auswertung aller Zählgebiete auf Usedom. Die Mittwinterzählung zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie wertvoll kontinuierliches ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz ist und wie bereichernd es sein kann, Natur so intensiv und aufmerksam zu erleben. 

Bericht und Fotos: Jana Freitag


Von Gänsen, Enten und Maulwürfen

Das neue Jahr hat begonnen und wir steuern auf unseren Jahreshöhepunkt zu, jedenfalls was die Aktivität in der Gruppe betrifft; Die Mittwinter-Wasservogelzählung.

 

Alle sind gespannt, wie das Wetter in diesem Jahr sein wird. Das entscheidet natürlich viel: Bei Eis müssen die Wasservögel anderswo ihr Glück versuchen und wir können sie nicht zählen.

 

In diesem Jahr hat langanhaltender Frost fast sämtliche Gewässer mit einer Eishaut, meist sogar mit einem Eispanzer überzogen. Der Schnee hatte zusätzlich Gänse und Schwäne von den Feldern vertrieben. Sollten wir etwa nichts zu zählen bekommen?

 

Mit diesen Fragen zogen Christiane und ich am Donnerstag in der Frühe los. Nach dem Tauwetter des Vortages war es in der Nacht noch einmal knackig kalt geworden. Unser erster Beobachtungspunkt war der Yachthafen Zinnowitz. Dort tobt normalerweise das Vogelleben, … wenn das Wasser frei ist. Der Yachthafen wie auch das Achterwasser waren jedoch zum Eisparadies geworden. Gerade ging die Sonne auf: Wunderschön! Aber wir waren hier, um Vögel zu zählen. Getreulich erfassten wir einzelne Silbermöwen und Kormorane, auch ein Graureiher flog vorbei. Sonst nichts. Was sollen sie denn auch hier? Das Futter findet sich im Wasser und das ist nicht erreichbar.

Aber was war das? Da quakten doch Enten! Wo steckten die denn? War da irgendwo ein Loch im Eis? Und wirklich: In der Ferne eine schwarze Linie an der Schilfkante, in der sich etwas bewegte. Spektiv heraus und siehe da: gut 250 Stockenten, ein Silber- und ein Graureiher! Das war doch ein erfolgversprechender Anfang!

 

Sie rennen einen nicht über den Haufen, die Wintervögel, meistens jedenfalls nicht. Man muss suchen, genau hinterfragen: Maulwurfshügel oder Gänse? Aus der Ferne gleichen sie sich oft. Und allzu oft sind es die Hügel der grabenden Gesellen, auch bei Frost.

 

Und da ist dann plötzlich die Kante des Feldes so huckelig. Was ist denn das? Es sind Gänse, viele meist Weißwangengänse, wir können es am Ruf erkennen. Sie stehen auf einem Feld, das zum Wasser hin abschüssig ist. Wir haben keine Chance, alle zu zählen.

 

Was sich für manch einen mühsam anhört, war für uns vor allem spannend! Und abseits der Vögel gab es noch so viel anderes zu entdecken: Die Biber und ihr Wirken gehörten nicht zu unserem Zählauftrag. Aber bei dieser fein säuberlich verwerteten Weide staunten wir nicht schlecht, wie gründlich sie aufräumen können.

 

Zurück zu den Vögeln! Zwischen den Highland-Rindern werden sich wahrscheinlich keine Gänse aufhalten. Aber genauer hinschauen lohnt sich doch, zumal in dieser Ecke immer wieder mal Brachvögel zu sehen waren. Und da war er wirklich, ein Brachvogel im Binnenland! Welch eine Freude!

Letztendlich haben wir bei dieser Zählung sogar mehr Gänse und Schwäne gezählt als in den Jahren davor. Nur die Masse der anderen Wasservögel blieb uns natürlich dieses Mal verwehrt. Spannend war es trotzdem!

 

Nicht nur die sechs Seeadler auf dem Eis, die sich offensichtlich um Futter stritten. Insgesamt haben wir fast 2000 Wasservögel in unseren Zählgebieten erfasst. Im Vergleich zu den Vorjahren war das gar nicht so wenig.

 

Und schon taucht die Frage auf: Wie wird es wohl im nächsten Jahr werden? Aber erst einmal: Füße wärmen! Denn kalt war es trotzdem.

Bericht und Fotos: Kathrin Räsch