Die Gänsezählung im November 2025

Mittagsrast der Gänse im Polder Anklam, Oktober 2025
Mittagsrast der Gänse im Polder Anklam, Oktober 2025

Gänse - von den eigentlichen Arten dieser Gruppe kommt in Deutschland und Mitteleuropa nur die Graugans vor. Sie brütet auch bei uns und zeigt seit Jahren einen positiven Bestandstrend.

 

Vor allem in arktischen Regionen kommen jedoch eine Reihe weiterer Arten dazu. Dazu gehören Blässgans, Waldsaatgans, Tundrasaatgans, Kurzschnabelgans, Weißwangengans und Ringelgans. Dort sind Bestandserfassungen aufgrund der enormen Größe dieser Gebiete, ihrer Unzugänglichkeit und Abgeschiedenheit jedoch nicht möglich.

 

Im Herbst verlassen diese Gänse allerdings rechtzeitig vor dem Wintereinbruch ihre hochnordischen Brutgebiete und machen sich auf den Weg in die  mittel- und westeuropäischen Winterquartiere.

 

Um die Bestände dieser Arten zuverlässig erfassen zu können, Trends oder auch Gefährdungen zu erkennen, werden sie nun hier bei uns erfasst. Dabei kommt die Kurzschnabelgans eher an der Nordsee vor. Die Ringelgans zieht an der südlichen Ostseeküste zwar durch, aber ihre Überwinterungsgebiete liegen ebenfalls an der Nordsee.

 

Alle anderen Arten sind während des Zuges im Herbst und in Abhängigkeit von der Härte der Witterung auch im Winter bei uns zu beobachten, teils in hohen Anzahlen. Denn es gibt bei einigen Arten wie z.B. der Weißwangengans ebenfalls positive Entwicklungen.

 

Um diese Bestandsentwicklungen jährlich nachvollziehen zu können, gibt es seit vielen Jahren ein deutschlandweites Gänsemonitoring mit vier Zählterminen. Jeweils Mitte September (Schwerpunkt Graugänse, da die anderen Arten noch nördlich verweilen), Mitte November, Mitte Januar (europaweit, gekoppelt mit der Internationalen Mittwinterzählung für Wasservögel) und Mitte März werden die hier rastenden oder durchziehenden Gänse erfasst.

Mittagsrast der Gänse im Polder Anklam, Oktober 2025
Mittagsrast der Gänse im Polder Anklam, Oktober 2025

Das kann an den Schlafgewässern geschehen, ist aber schwierig, da die Gänse Frühaufsteher sind und abends erst spät zur Nachtruhe einfallen, so dass mangelndes Licht Bestimmungs- und Zählprobleme verursachen.

 

Einfacher ist die Erfassung am Tage auf den Nahrungsflächen in der Agrarlandschaft. Im Herbst sind das insbesondere abgeerntete Maisfelder, die durch Ernterückstände energiereiche Körnerkost bieten. Gleiches gilt für Zuckerrübenäcker, wo die Gänse mit kräftigen Hieben die Reste von Rübenstücken schnabelgerecht zerteilen. Da diese Flächen von den Landwirten oft schnell mit neuen Kulturen wiederbestellt werden, stehen sie den Gänsen nur kurze Zeit zur Verfügung, so dass die Vögel später im Herbst zunehmend Grünland nutzen, aber auch Raps und Wintergetreide. Da kann Konflikte mit den Landwirten verursachen.

 

Seit vielen Jahren ist auch die Usedomer NABU- Gruppe in dieses Monitoring eingebunden. Auf der Insel und auf dem inselnahen Festland entlang des Peenestroms gibt es viele landwirtschaftliche Nutzflächen und entsprechend der angebauten Kulturen ein günstiges Nahrungsangebot für die Gänse. Schwerpunktgebiete sind dabei für uns die Halbinseln Gnitz und Wolgaster Ort, der Lieper und der Usedomer Winkel sowie das Thurbruch und Bereiche am südlichen Achterwasser, Stettiner Haff und festlandseitig um Kröslin und Lassan.

 

Dabei ist es wichtig, diese Zählungen möglichst synchron durchzuführen. Zum einen kann es z.B. durch Kälteeinbrüche überregionale Zugbewegungen geben. Zum anderen sind die Gänse auch regional viel unterwegs, sei es durch Neubestellung der Flächen, ständige Vergrämungen durch Landwirte oder hohen Weidedruck im Grünland, der die Flächen durch zu geringe Energieausbeute uneffektiv für die Gänse macht, zumindest solange, bis das Gras wieder nachgewachsen ist.

 

Der diesjährige Termin für die Novemberzählung lag am 15.11./16.11.25, natürlich ein Wochenende, um auch den berufstätigen NABU- Mitgliedern die Teilnahme zu ermöglichen. Überwiegend wurde am Sonnabend gezählt, unter guten Witterungsbedingungen (relativ mild, kein Niederschlag, moderater Wind, gute Sicht). Am Freitag und am Sonntag gab es hingegen Dauerregen, bei dem eine Erfassung wenig Sinn macht. So wurden auch die Tage um das Wochenende für das Monitoring genutzt, was dem Gesamtergebnis keinen Abbruch tat. Zumal jeder Teilnehmer auch persönliche Termine und Verpflichtungen zu erfüllen hat, so dass es manchmal nicht ganz einfach ist, alles unter einen Hut zu bringen.

 

Aber alle Strecken wurden abgesichert und alle Teilnehmer hatten auch gut zu tun, denn in allen Zählgebieten rasteten auch Gänse. Auffällig war dabei eine eher geklumpte Verteilung mit höheren Konzentrationen auf einzelnen Feldern oder Wiesen, während weite Landstriche manchmal nahezu gänseleer waren, v.a., wo es quadratkilometerweit nur Wintergetreide gab. Als absoluter Rastschwerpunkt erwies sich der Inselsüden mit dem Usedomer Winkel und Teilen der Haffküste. Die genauen Ergebnisse, aufgeschlüsselt auf die Zählgebiete, sind aus der Tabelle ersichtlich.

 

Kaum ein Zähler zählt jedoch nur. Es ist ein beeindruckendes optisches und auch akustisches Erlebnis, hunderte oder sogar tausende von Gänsen bei ihrem Tagesgeschäft zu beobachten. Bei den Blässgänsen kann man Alt- und diesjährige Jungvögel noch gut unterscheiden, so dass sich Familien und damit der Bruterfolg identifizieren lassen. In den Trupps gibt es interessante Vergesellschaftungen verschiedener Arten, die Vögel interagieren intensiv miteinander. Nie tun alle das Gleiche, manche werden einfach nicht satt, andere schlafen ruhig oder geben sich intensiv der wichtigen Gefiederpflege hin. Manche sind ständig auf Krawall gebürstet und suchen die Auseinandersetzung. Es gibt auch immer Wachposten, denn den Seeadlern bleiben solche für sie attraktiven Ansammlungen potentieller Nahrung natürlich auch nicht verborgen. Und so wird die Flugfähigkeit der Gänse getestet, ob vielleicht eine flügellahme dabei ist. Wenn nicht, dreht der Seeadler wieder ab, die Gänse auch und sie fallen wieder auf dem Acker ein. Und der Zähler fängt von vorne an zu zählen.

 

Abschließend sei allen Zählern herzlich für ihren Einsatz und die schnelle Übermittlung der Daten gedankt: Christiane Beck, Cornelius Friedrich, Harald Jürgens, Marisa Kaster, Torsten Lauth, Kathrin Räsch, Bernd Schirmeister und Olaf Wenzel.

 

 

Für weiterführende ausführlichere Informationen zum Zug der Gänse, ihrem regionalen Auftreten, Gefährdungen sowie Konflikten mit den Landwirten sei auf frühere Berichte im Archiv der Homepage verwiesen.

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Ergebnisse der Gänsezählung im November 2025
Ergebnisse der Gänsezählung im November
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Bericht und Fotos: Bernd Schirmeister