Datum der Zählung waren der 17.01.2026 und 18.01.2026.
Insgesamt beteiligten sich 19 Mitglieder und Freunde der NABU-Regionalgruppe Usedom sowie drei Ranger des Naturparkes Usedom an der Zählung, dazu im Peenetal und am Peenestrom einige externe Ornithologen als wichtige und hilfreiche Unterstützung. Der begonnene Generationswechsel wurde fortgeführt. Ihnen sei hiermit herzlich Danke gesagt für ihren Einsatz im Gelände sowie die überwiegend zeitnahe Übermittlung der Daten.
Organisation und Durchführung der Zählung wurden auf der Novemberberatung der Gruppe angeschoben. Die Feinabstimmung erfolgte auf der Januarberatung unmittelbar vor dem Zählwochenende. Trotzdem war bis zum Schluss Flexibilität gefragt. Dazu kam schlecht vorhersagbares Wetter als weiterer Unsicherheitsfaktor.
Ziel muss zukünftig weiterhin die Sinnhaftigkeit der Zählung sein. Bei ungünstigen äußeren Bedingungen (Sturm, Wellenschlag, schlechte Sicht) macht eine Erfassung an den großen Gewässern wenig Sinn, weil man quasi nur da ist, aber kein repräsentatives Ergebnis erzielen kann, was man im Prinzip auch schon vorher weiß. Dabei bleiben auch das Naturerlebnis und der Spaß an der Aufgabe auf der Strecke. Hier sollte unbedingt zeitliche Flexibilität von den Zählern genutzt werden, denen es möglich ist. Nicht ganz synchron gezählt ist besser, als gar nicht gezählt und auch besser, als wenn die Bedingungen eine vernünftige Erfassung nicht zulassen. Das ist natürlich v.a. bei steigenden Teilnehmerzahlen eine Herausforderung, da jeder Zähler auch persönliche Belange zu berücksichtigen hat.
Insgesamt sind es 16 Zählgebiete auf Usedom, dem angrenzenden Festland am Peenestrom und im Peenetal, die international festgelegt sind und eine sitecode- Nummer tragen. Alle Zählgebiete wurden vollständig bearbeitet.
Außerdem fand der dritte (von vier) nationale Zähltermin für Gänse statt, für die gesonderte Zählbögen auszufüllen sind. Ebenso eine internationale Erfassung der Rastbestände der drei Schwanenarten. Dabei lag der Schwerpunkt auf dem Zwergschwan, für den unsere Region weniger bedeutsam ist, da es hier kaum rastende oder überwinternde Zwergschwäne gibt.
Überwiegend wurden die Zählgebiete auch synchron am Wochenende bearbeitet. Die Menge der Zählgebiete, die daraus resultierenden hohen Streckenlängen sowie der angeschobene Generationswechsel mit Zählteams brachten es jedoch mit sich, dass einzelne Gebiete bzw. Abschnitte auch in den Tagen um das Zählwochenende bearbeitet werden mussten.
Ähnlich wie im vorigen Jahr verlief der Spätherbst unter dem Einfluss atlantischer Tiefausläufer wieder mild, im Gegensatz zu 2025 allerdings recht niederschlagsarm, von Winter keine Spur.
Kurz vor Weihnachten stellte sich die Wetterlage jedoch auf eine östliche Strömung um. Die Temperaturen fielen rasch, es klarte auf, so dass es zu den Feiertagen zwei Nächte mit jeweils -7 bis 8°C gab. Es war laut Wetterdienst das kälteste Weihnachten seit 15 Jahren.
Da es auch windstill war, froren kleine Gewässer schnell zu. Aber selbst Schmollensee und Gothensee waren schließlich mit einer geschlossenen Eisschicht bedeckt. Die inneren Küstengewässer Haff, Peenestrom und Achterwasser bleiben eisfrei.
Nach den Feiertagen wurde es schnell milder mit Tages- und Nachttemperaturen im einstelligen Bereich. Die meisten Gewässer tauten (vorübergehend) wieder auf. Aber dann kam der Winter erneut zurück.
Zum Jahreswechsel gab es Frost, der sich in den ersten Tagen des neuen Jahres bis knapp -10°C verschärfte. Die Gewässer froren wieder zu, was zur Abwanderung (Kälteflucht) großer Wasservogelmassen führte. Dazu fiel auch mehrmals Schnee, so dass sich bei uns eine geschlossene Schneedecke von 3- 5 cm ausbildete, in westlichen Landesteilen noch wesentlich höher.
Dieses winterliche Wetter blieb weitgehend bestehen. Nur in den Tagen vor dem Zählwochenende gab es eine kurze und schwache Tauwetterphase mit einstelligen Plustemperaturen. Der Schnee schmolz, aber das teils dicke Eis auf den Gewässern blieb erhalten.
Die Zählbedingungen waren jedoch schwierig. Einmal die ausgedehnte Eislage, alle Binnenseen, die Peenepolder, Stettiner Haff, Achterwasser und größtenteils auch der Peenestrom, waren zugefroren. Nur die Ostsee blieb (vorerst) eisfrei. Dazu gab es am Freitag und Sonnabend morgens Nebel, der an den Vormittagen in starken Dunst überging und die Sicht doch erheblich beeinträchtigte. Der Himmel blieb grau in grau. Erst am Sonntag war es sonnig mit guten Sichtbedingungen. Danach setzte sich erneut eine stärkere Frostwetterlage durch. Es gab über längere Zeit auch tagsüber Frost und nachts mehrfach bis -10°C.
| Jahr | 2024 | 2025 | 2026 |
| Gesamtzahl Vögel | 52861 | 86264 | 57962 |
|
Mildwinter bzw. Übergangsphase |
Mildwinter | Eiswinter |
Diese Angaben sind nicht im meteorologischen Sinn zu verstehen, sondern beziehen sich auf die Bedingungen zum Zeitpunkt der Zählung. Liest man nur diese Gesamtzahl, hätte man keine Vorstellung von den herrschenden winterlichen Verhältnissen. Was für ein unerwartet hohes Zählergebnis. Zum Vergleich gab es in den Eiswintern 1997 nur 11632 Wasservögel oder 2016 immerhin 25656, bei allerdings noch etwas anders strukturierter Zählgebietskulisse.
Viele Zähler waren unterwegs, die auf Eisflächen starrten. Trotzdem gab es nur zwei Zählgebiete, die völlig ohne Wasservögel waren (Peenepolder, Nullzählung). An den weiteren zugefrorenen Binnenseen fehlten natürlich auf Grund des Eises große Konzentrationen von Wasservögeln. Aber so manche Art war (noch) da, wenn auch in sehr niedrigen Zahlen.
| Jahr | 2024 | 2025 | 2026 |
| Artenanzahl | 55 | 64 | 58 |
Beispielsweise waren es 2011 nur 31 und 2013 nur 32 Arten.
Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass den Arten des erweiterten Artenspektrums (s. Zählbogen) in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Seit 2014 liegt die Artenzahl nun beständig leicht unter oder über 50 relevanten Arten, seit 2012 immer über 50 Arten. Im vorigen Jahr kamen dabei 31 Arten in Individuenzahlen unter 50 vor, 2026 waren es dagegen 26 Arten.
Aber gerade sie werten die Exkursion oft erheblich auf, sind das Salz in der Suppe der üblichen Verdächtigen. Dabei müssen es gar nicht mal richtige Seltenheiten sein, wie z.B. der im vorigen Jahr beobachtet Basstölpel. Die eigentlichen Überraschungen betrafen mehrfach Arten, die man bei diesen Witterungsverhältnissen überhaupt nicht erwartet hätte. Einige Gründelenten, wie Pfeif- und Spießente gehören dazu, aber auch Limicolen, wie Austernfischer oder Waldschnepfe. Andererseits fehlten auch sonst regelmäßige Arten wie Ohrentaucher, Löffel- und Krickenten.
Hier gab es auf Grund der Vereisung eine völlig andere Rangfolge. Die Zählgebiete an der Außenküste dominierten das Geschehen, einmal durch Verlagerung von Rastbeständen innerhalb der Küstengebiete (Bergente) und andererseits durch Winterflucht an die Küste (Gänsesäger, Reiherente).
Aber auch der nördliche Peenestrom beherbergte noch große Rastzahlen, bevor sich auch hier kurz nach dem Zählwochenende die Eisdecke weitestgehend schloss.
Dabei dominiert oft eine Art das Geschehen, in diesem Jahr insbesondere Bergenten.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Bergente | 1198 | 1691 | 17256 |
Diese hohe Zahl resultiert nicht aus Zunahmen, sondern entstand durch Umverlagerung. In den Vorjahren hielten sich stets enorme Rastbestände von Bergenten in benachbarten Zählgebieten (Struck, Greifswalder Bodden, Strelasund) auf, was in diesem Jahr dort auf Grund der Eisverhältnisse so nicht möglich war.
So nutzten die Bergenten die noch weitgehend eisfreie Peenemündung zur Rast und Nahrungssuche (Muscheln), wie sie es gewohnterweise dort auch in den Herbstmonaten tun. An der Ostseeküste gab es ebenfalls größere Ansammlungen.
Aber auch 2016 zählten wir bei uns schon einmal über 12000 Bergenten.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Stockente | 8685 | 8186 | 5572 |

Diese hohe Zahl kam ziemlich unerwartet. Während alle anderen Gründelentenarten vollständig abgewandert (Löffelente, Krickente) oder nur noch in kleinen Restbeständen (Schnatterente, Pfeifente, Spießente) bei uns waren, erreichte die Stockente erneut Spitzenwerte.
Sicher spielt hier Winterflucht aus östlich gelegenen Regionen eine Rolle. Aber wie die Art hier die Überwinterung unter diesen Bedingungen meistert, zeigt schon erstaunliche Flexibilität und Anpassung.
So wurden bei der Zählung mehrfach Ansammlungen von Stockenten an Rinderhaltungen und auf Bauernhöfen beobachtet, wo sie Körner aus der Einstreu fraßen oder sich unter das Hausgeflügel mischten. Andere wurden zu Weidegängern, zum Teil am Tage, wo sie dann in größeren Schwärmen auf Wiesen und Weiden Grünfutter als Nahrungsgrundlage nutzten. Zum Teil auch nachts, sodass sie am Tage truppweise scheinbar unbeteiligt auf dem Eis standen.
Andere konzentrierten sich an Strandaufgängen oder Promenaden, wo sie von Fütterungen durch Touristen profitierten. Da konnte es auch passieren, dass sich Stockenten in Bansin zum Eingang der Bäckerei Junge bewegten.
In meinem Vorgarten stellten sich plötzlich einzelne Stockenten am Futterplatz ein. Wenige Tage später waren es schon zweistellige Zahlen, die dort die aus dem Futtersilo herunter rieselnden Schalen der Sonnenblumen fraßen. Offenbar war daraus noch genug Energie zum Überleben zu gewinnen. Not macht erfinderisch.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Blässralle | 798 | 2797 | 4912 |
Diese hohe Zahl ist ein Ergebnis von Winterflucht aus östlichen Gebieten. In den binnenländischen Zählgebieten gab es nichts zu holen. So hielten sich viele Blässrallen an der Außenküste auf. Besonders starke Konzentrationen wurden in der Peenemündung beobachtet. Aber im Vergleich: 2016 gab es in einem Eiswinter nur 98 Blässrallen bei uns.
Das war es auch schon in dieser Kategorie.
Diese Artengruppe bildet seit Jahren einen Schwerpunkt unter den überwinternden Wasservögeln. Um die Bestände bzw. Zu- oder Abnahmen und jährlichen Schwankungen noch genauer erfassen zu können, gibt es den Gänsezensus, bei dem jeweils Mitte September, November, Januar und März die Gänse an Rast-, Nahrungs- und/oder Schlafplätzen erfasst werden.
2024 war es mit 14844 Ind. mehr als ein Drittel aller erfassten Wasservögel. 2025 lag dieser Wert ähnlich, mit allerdings 23004 Ind.
2026 war es nur 9685 Gänse, knapp ein Sechstel aller erfassten Wasservögel.
Gleichwohl sind das noch unerwartet viele Gänse. Es gab nach dem Schneefall im Januar einige Tage mit starkem Durchzug sowie auch noch kurz vor der Zählung erhebliche Winterfluchtbewegungen, so dass unklar war, wie viele Gänse sich überhaupt in der Region aufhalten würden. So war das Thurbruch als bedeutender Winterlebensraum nordischer Gänse erstmals über Wochen gänseleer.
Auf dem Eis der Peenepolder und auch auf dem Peenestrom waren die Schlafplätze der Gänse deutlich an den nächtlichen Hinterlassenschaften der Vögel zu erkennen. Teilweise konnten auch Schlafplatzflüge beobachtet werden, die jedoch nicht mit gewertet wurden. Diese Gänse halten sich tagsüber in der umliegenden Agrarlandschaft auf, so dass dann zumindest teilweise die Gefahr von Doppelzählungen besteht.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Graugans | 3143 | 3157 | 1723 |
Hiesiger Winterbestand nahezu halbiert, trotzdem ist die Art winterhart. Mit allzu kleinräumigen Interpretationen muss man auch vorsichtig sein. So hielten sich zur MWZ allein um Anklam ca. 1000 Graugänse auf.
Im Herbst kam es zu starkem Zuzug finnischer Graugänse, wie mehrere Ringablesungen belegten, während die zahlreichen polnischen Ringvögel das Gebiet offenbar vollständig geräumt haben.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Blässgans | 2947 | 8913 | 2221 |
Diese jahrweise stark schwankenden Rastbestände haben nichts mit Zu- oder Abnahmen zu tun haben, sondern spiegeln im Wesentlichen die Winterwitterung wider. Die Art ist relativ kälteempfindlich und weicht dann in Rastgebiete an der Nordsee aus. Das zeigen auch mehrere Ablesungen halsbandmarkierter Blässgänse. Diese Tatsache macht großräumige Synchronerfassungen unumgänglich, um belastbare Zahlen zu erhalten.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Saatgans | 1685 | 2453 | 2276 |
Saatgänse sind größer und robuster als Blässgänse und entsprechend winterhärter. Vor allem die Waldsaatgans erreicht manchmal die Größe von Graugänsen.
Tundra- und Waldsaatgänse sind hier mit unbestimmten Saatgänsen zusammengefasst. In Abhängigkeit von den Beobachtungsumständen lassen sich beide Arten im Feld oft unterscheiden. So wurden 1481 Waldsaatgänse und 600 Tundrasaatgänse differenziert.
Leider sind die Gesamtbestände der Waldsaatgans seit Jahren stark rückläufig, nicht zuletzt durch starke Bejagung auf den Zugwegen und den Zwischenrastplätzen, selbst im Frühjahr, wenn die Vögel schon verpaart sind. Fällt dann ein Partner aus, findet in dem Jahr auch keine Reproduktion mehr statt, was sich stark negativ auf die Nachwuchsrate auswirkt.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Weißwangengans | 6693 | 9171 | 3364 |
Ungewohnt wenig Weißwangengänse, aber gleichwohl noch unerwartet viele. In Körpergröße und Winterhärte mit der Blässgans vergleichbar, weicht sie eigentlich an die wintermildere Nordseeküste aus, was viele offenbar auch gemacht haben, wie die Zahlen zeigen.
Nach dem Eisregen im Januar werden wohl viele Weißwangengänse noch nachgefolgt sein, weil die Nahrungssuche in der Agrarlandschaft durch die jetzt hartgefrorene Oberfläche energieaufwändig ist und zu Verletzungen an Füßen und Schnäbeln führen kann.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Mittelsäger | 238 | 256 | 720 |
Die Zahl ist etwas schwierig einzuordnen. Mittelsäger halten sich fast ausschließlich an der Außenküste auf, wo Entfernung, Wellenschlag und Sicht die Erfassbarkeit beeinflussen. Andererseits kann es bei dieser Art ebenfalls zu Winterflucht aus der östlichen Ostsee gekommen sein.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Lachmöwe | 859 | 1159 | 1511 |

Aus den binnenländischen Zählgebieten war die Art natürlich fast völlig verschwunden.
Umso größere Konzentrationen gab es an der Ostseeküste. Diese waren nahrungsbedingt. Der anhaltende Ostwind hatte große Muschelmengen, insbesondere Sandklaffmuscheln an den Strand geworfen. An diesem Buffet bedienten sich die Lachmöwen nun scharenweise.
Mehr gab es nicht in dieser Kategorie.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Trauerente | 2079 | 2282 | 2190 |
Von dieser Meeresente halten sich jährlich große Winterbestände vor Usedom auf. Ihre Erfassbarkeit ist stark von den Wetterverhältnissen abhängig, zumal die Art auch küstenfern überwintert und offshore auf Nahrungssuche geht. Das ist insbesondere in der Pommerschen Bucht mit Wassertiefen um 8 m der Fall, wo die Trauerenten dann von Land aus nicht zu sehen sind.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Singschwan | 429 | 566 | 598 |
Größere Rastgruppen gab es am Peenemünder Haken und am nördlichen Peenestrom. Am Zählwochenende überlagerten sich ungewöhnlich später Zuzug auf Grund von Winterflucht und das Rastgeschehen.
In den Poldern des Peenetals sowie auf dem zugefrorenen Peenestrom waren die Schlafplätze der Schwäne ähnlich wie bei den Gänsen auf dem Eis gut zu sehen. Dabei ist der Einzugsbereich dieser Schlafplätze oft nicht klar abzugrenzen. So hielten sich auch östlich von Anklam noch ca. 400 Singschwäne auf. Zumal die Plätze wohl auch wechseln können, wie nächtliche Hinterlassenschaften an vielen Stellen nachlegten.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Mantelmöwe | 87 | 63 | 67 |
Im Gegensatz zu den anderen Möwenarten wurden Mantelmöwen nur in geringer Zahl beim großen Fressen an den Muschelmengen an den Stränden beobachtet. Offenbar gab es für sie andere Nahrungsquellen, wohl auch offshore. Denn z.B. 2020 und 2021 gab es jeweils über 200 Mantelmöwen bei der MWZ, so dass die Zahlen durchaus auch stärker schwanken können.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Silbermöwe | 1167 | 2271 | 2438 |
Die Gelegenheiten machen die Zahlen, wie schon in einem aktuellen Beitrag auf der NABU-Homepage über das große Fressen infolge des enormen Muschelanwurfs berichtet.
Dabei beherrschen die Silbermöwen auf Grund ihrer Größe und Durchsetzungskraft die Szenerie. Wenn es geht, werden die Muscheln direkt am Strand aufgesammelt. Am Spülsaum hatte sich aber stellenweise ein schmaler Eisrand gebildet. So fischten die Möwen lärmend und streitend im flachen Wasser. Große Muscheln holten sie aufs Eis, um sie dort zu knacken.
Bei Eisfreiheit verteilen sich Silbermöwen auch weiträumig an den inneren Küstengewässern, was in diesem Jahr jedoch ausfiel und einen zusätzlichen Konzentrationseffekt verursachte. In manchen Jahren können es auch unter 1000 Silbermöwen sein wie z.B. 1997 und 2016.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Eisente | 1686 | 1001 | 1605 |
Ähnlich wie bei der Trauerente halten sich v.a. im Inselnorden auf der Ostsee oft große Schwärme von Eisenten auf, die dort nach Muscheln tauchen. Manchmal sieht man noch näher am Ufer kleine Balzgruppen, in denen mehrere Männchen hinter einem Weibchen her sind. Schwimmend, tauchend, fliegend und mit lautstarken „aulick, aulick“- Rufen der Männchen wird um die Weibchen geworben, die sich den aufdringlichen Bewerbern oft nur durch Flucht entziehen können. Später sieht man aber Eisenten allerwärts paarweise umher schwimmen.
Durch häufigen küstenfernen Aufenthalt können die Zahlen noch wesentlich stärker schwanken. So wurden 2021 über 5000 Eisenten gezählt.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Tafelente | 53 | 5055 | 337 |
Als Tauchente bevorzugt sie die Binnengewässer zur Rast und Nahrungssuche. Im vorigen Jahr gab es z.B. am Achterwasser bei der Insel Görmitz große Konzentrationen, die jahrweise auch entfallen können, wie im Übergangswinter 2024. Das ist sicher nahrungsbedingt, denn die stark genutzten Muschelvorkommen müssen sich auch erst wieder vermehren.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Schellente | 1613 | 1163 | 1929 |
Schellenten gehören ebenfalls zu den Tauchenten. Sie bevorzugen die inneren Küstengewässer, insbesondere das Stettiner Haff. Nennenswerte Populationsanteile weichen bei Vereisungen auf die Ostsee aus, wo sie ihre Muschelbeute ebenfalls erlangen können. Zudem gab es vermutlich stärkeren Zuzug infolge Winterflucht.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Höckerschwan | 608 | 1228 | 913 |
Da sich Höckerschwäne gründelnd ernähren, brauchen sie offenes und flaches Wasser. Bei Eislagen weichen sie auch in die Agrarlandschaft aus, bevorzugt auf Rapsfelder.
Auf dem Gothensee hielt sich eine große Gruppe Höckerschwäne durch ständiges Schwimmen ein größeres Wasserloch längere Zeit eisfrei, bis auch dieses letzte Refugium schließlich zufror. Bei längeren Kältephasen bekommen die Schwäne jedoch Probleme und es gibt größere Verluste. So lagen tote Schwäne auf dem Eis des Achterwassers und im Anklamer Hafen. Am Greifswalder Bodden, um das Wampener Riff, hielten sich vor der Zählung fast 1500 Höckerschwäne auf, unter denen es zahlreiche Verluste gab.
Es ist für die Vögel ja immer eine Abwägungssache mit Risiko: Hierbleiben und Probleme mit den winterlichen Bedingungen riskieren oder Wegziehen mit u.U. gefahrvollen Zugwegen auch infolge menschlicher Verfolgung. Oft bergen entfernt gelegene Winterquartiere eine Reihe weiterer Risiken. Von den Verlusten profitieren natürlich Seeadler, Kolkrabe, Fuchs und Co. Es bleibt nichts ungenutzt.
Diese Kategorie ließ sich in diesem Jahr am leichtesten und umfangreichsten füllen.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Haubentaucher | 315 | 639 | 139 |
Diese sehr geringe Anzahl kommt doch überraschend, weichen Haubentaucher als Fischjäger doch ansonsten einfach auf die offene Ostsee aus. In diesem Jahr gab es wohl eher verstärkten Abzug.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Kormoran | 3200 | 13495 | 1145 |

Sonst meistens in der Spitzengruppe, sind dem Kormoran sind die winterlichen Bedingungen schließlich zum Verhängnis geworden.
Viele haben das Risiko des Hierbleibens nach mehreren milden Wintern offenbar unterschätzt. Die beiden großen Schlafplätze am Gothensee und Schmollensee, wurden nach dem Zufrieren der Seen schnell verlassen, während sich dort Mitte Dezember insgesamt noch knapp 10000 Kormorane aufhielten. Aber die Eisbildung setzte sich fort und es kam zu großen Ansammlungen am Wolgaster Peenestrom (bis 3000 Ind. vor der MWZ) und im Anklamer Hafen. Auch das ging nicht lange gut. Während viele Kormorane an die eisfreie Ostsee auswichen, waren andere bereits so geschwächt, dass ihnen der Abflug nicht mehr möglich war und es höhere Verluste gab. Darüber berichtet sogar die OZ in einem längeren Artikel (OZ vom 20.01.26).
Auf Vogelgrippe beprobte Kormorane waren in jedem Fall negativ, so dass als Todesursache nur Verhungern in Frage kommt. Da die sich jetzt hier aufhaltenden Kormorane überwiegend Zuzügler aus dem Baltikum und anderen östlich gelegenen Brutregionen sind, muss man abwarten, ob sich diese Verluste auch auf hiesige Brutkolonien auswirken werden.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Graureiher | 315 | 639 | 90 |
Als überwiegender Fischjäger brauchen Graureiher offenes Wasser. Bei guten Mäusevorkommen können sie eisbedingte Engpässe überbrücken, was in diesem Jahr offenbar nicht ausreichend der Fall war. Erstaunlich war dann, dass selbst an zugefrorenen Gewässern fast überall noch Graureiher ausharrten. Bei der Art dürfte es vermehrt zu winterbedingten Verlusten gekommen sein.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Silberreiher | 84 | 245 | 43 |
Silberreiher sind inzwischen schon seit längerem ganzjährige Gäste, wenngleich es bisher nur eine Brutkolonie in MV gibt, in Niederhof am Strelasund.
Stärker als Graureiher bejagen Silberreiher Kleinsäuger. Dabei können sie selbst die großen Nordischen Wühlmäuse mit ihrer Schnabelspitze wie in einem Schraubstock festhalten, auszappeln lassen und schließlich verschlucken.
Die winterlichen Rastzahlen schwanken trotzdem stärker, wobei es eigentlich schon erstaunlich ist, dass diese ja eher südlich verbreitete Art den Winter überhaupt hier zu überdauern versucht.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Reiherente | 7916 | 11220 | 2881 |
Als Tauchente bevorzugt die Reiherente die inneren Küstengewässer. Insbesondere auf dem Stettiner Haff kommt es dann zu bedeutenden Konzentrationen.
Wie bei anderen Arten auch gab es eisbedingtes Ausweichen an die Außenküste. Aber in hohem Umfang fand auch Winterflucht statt, wie an zahlreichen im Januar von Ost nach West die Außenküste entlang ziehenden Trupps beobachtet werden konnte.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Gänsesäger | 3240 | 2634 | 720 |
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die traditionellen Rastgebiete an Haff und Achterwasser mussten vollständig geräumt werden. Am Peenestrom verblieben nur wenige. Nennenswerte Anteile wichen auf die Ostsee aus, aber die Masse war weggezogen. Sie fliegen in solchen Situationen nach Holland in ihre dortigen Hauptüberwinterungsgebiete am fischreichen Ijsselmeer.
| 2024 | 2025 | 2026 | |
| Seeadler | 97 | 115 | 80 |
Das ist trotzdem noch eine ganze Menge für unsere Region. Wenngleich Fische als übliche Beute weitgehend ausfielen, gab es Gänse sowie reichlich Wasservögel als Kälte- und Hungeropfer. Etliche Seeadler werden ihrer gefiederten Beute aber auch in westlicher gelegene Überwinterungsgebiete gefolgt sein.
Trotz der winterlichen Verhältnisse erstaunlich viele, sowohl das Artenspektrum als auch manche Anzahlen betreffend.
Streifengans:
Nach Jahrzehnten Wasservogelmonitoring eine neue Art auf die Liste zu bekommen, ist schon etwas sehr Ungewöhnliches, trifft aber auf die Streifengans zu. Im Usedomer Winkel wurde mehrfach ein Ind. beobachtet, das mit Waldsaatgänsen vergesellschaftet war.
Bei der Streifengans handelt es sich mit Sicherheit um einen Gefangenschaftsflüchtling, der sich Wildvögeln angeschlossen hat. Streifengänse haben ihre eigentliche Brutheimat im mittelasiatischen Hochland, werden aber in Zoos und Tierparks gehalten.

Rotmilan:
Noch vor wenigen Jahren waren Beobachtungen von Rotmilanen im Winter etwas ganz Besonderes. In den letzten Jahren wurden häufiger einzelne Ind. gesehen.
Nach dem Rekord im vorigen Jahr mit 17 Ind., waren es nun 16 Rotmilane. Neben einzelnen Ind., die in der Agrarlandschaft jagten, wurden Rotmilane auch paarweise angetroffen, im Thurbruch sogar eine Schlafplatzgesellschaft mit 4 Ind.
Kranich:
Auch bei dieser Art kommt es immer häufiger zur Überwinterung von Revierpaaren, die gleich an Ort und Stelle verbleiben sowie auch zahlreichen Rastgruppen. So wurden 2024 und 2025 jeweils ca. 9000 Überwinterer im Land gezählt, mit Schwerpunkt in den stärker atlantisch geprägten westlichen Landesteilen. Sie finden in der Agrarlandschaft überständige Maisflächen und anderes, so dass sie gut überleben können. Diese Tendenz scheint sich nun auch hier auszubreiten mit z.B. 220 Kranichen im Vorjahr. In diesem Jahr waren es nur 19, darunter ein Zugtrupp mit 14 Ind.
Wasserralle:
Die Art ist eigentlich nur durch ihre Rufe nachweisbar, weil sie sich meist im Schilf des ufernahen Flachwassers verborgen hält. Flachwasser gab es nicht, aber trotzdem Wasserrallen. Nicht 19 wie im Vorjahr, sondern nur 3 Ind. Es ist trotzdem ganz erstaunlich, wie Wasserrallen unter diesen Bedingungen überleben. Vielleicht waren es sogar noch mehr, denn die Rufaktivität der Vögel war infolge der Kälte natürlich stark eingeschränkt.
Teichralle:
Eigentlich ebenfalls auf offenes Wasser angewiesen, geht es zumindest eine Zeit lang auch ohne, wie die 7 Ind. zeigten. Am Schloonsee und am Gothensee wurde auf ufernahen Wiesen gegrast.
Beobachtungen von Limicolen sind zu jeder Jahreszeit faszinierend. In milden Wintern kommen immer einzelne Arten in teils auch größeren Zahlen zur Beobachtung, womit in diesem Jahr eigentlich nicht zu rechnen war. Und doch erfreuten einige Arten die Beobachter.
Austernfischer:
In den letzten fünf Jahren regelmäßig in geringer Zahl beobachtet, immer am Peenemünder Haken. Dort waren in diesem Jahr 6 Ind., die den winterlichen Strand belebten. Um Watt- und Ringelwürmer erbeuten zu können, sollte der Sandboden stocherfähig sein.
Brachvogel:
Seit 1999 gibt es nur ein Jahr ohne Brachvögel bei der MWZ. Und auch in diesem Jahr fehlten sie nicht. In der freien Landschaft gab es nur Einzelbeobachtungen, aber im Windwatt des Peenemünder Hakens hielt sich mit 170 Ind. wieder ein kopfstarker Rasttrupp auf. Wobei es eher ein Eiswatt war und auch die wenigen kleinen Sandbänke waren gefroren. Erstaunlich, wie die Brachvögel es trotzdem packen.
Das gilt gleichermaßen für den Alpenstrandläufer. Mit 60 Ind. war es eine Menge dieser kleinen Watvogelart, die einen Überwinterungsversuch wagte. Vielleicht waren es auch Winterflüchtlinge bei einer kurzen Zwischenrast auf ihrem Weg an die Nordsee.
Sanderling:
Klein und flink, dabei ständig am Spülsaum kleinste Nahrungsteilchen aufpickend, das sind Sanderlinge am winterlichen Ostseestrand. Gäste aus dem sehr hohen Norden, sind sie nicht seltene Herbstdurchzügler. In den letzten vier Jahren kam es zu regelmäßigen Überwinterungen, davor noch sehr lückig. Die Zahlen schwanken stark, im Vorjahr 6, 2009 auch schon mal 256, in diesem Jahr 30. Sanderlinge sind unstete Strandgäste, so dass man sich auch mal verpasst.
Bekassine:
Auf Grund ihrer versteckten Lebensweise und ihrer hervorragenden Tarnung gelingen Winternachweise oft nur zufällig. So war es auch in diesem Jahr, als Ranger des Naturparkes im Rahmen des Bibermonitorings an einem Graben 3 Bekassinen entdeckten. Das passierte im Zählzeitraum, also werden sie auch gewertet.
Noch erstaunlicher aber sind die 9 Waldschnepfen. An Graben und Waldrändern, selbst in Gärten gelangen Beobachtungen. Auch über die Internetplattform ornitho.de wurden im Zählzeitraum viele Waldschnepfen gemeldet, so dass man eine ungefähre Vorstellung davon erhält, wie regelmäßig selbst solche Arten in solchen Wintern auftreten können.
Eisvogel:
Nach den milden Wintern hatte sich die regionale Population offenbar recht gut erholt, 13 Eisvögel gab es bei der MWZ 2025. Das ist nun erst einmal vorbei, denn diesem Jahr waren es nur 2, ein deutlicher Hinweis auf Verluste in harten Wintern.
Da die Art kaum zieht, ist an den gefrorenen Gewässern ihre Fischbeute nicht mehr zugänglich. So können regionale Populationen manchmal völlig erlöschen. Trotz hoher Reproduktion mit bis zu drei Jahresbruten und jeweils sechs bis sieben Jungvögeln kann es mehrere Jahre dauern, bis sich ein neuer Bestand aufgebaut hat.
Greifvögel wie Kornweihe und Wanderfalke, die zu den regelmäßigen Wintergästen gehören, sitzen nicht unbedingt abholbereit da. Trotzdem erfreuten einige Nachweise den Beobachter.
Oder auch manche Singvögel wie Bartmeisen, auf die man meist durch die charakteristischen Rufe aus dem Schilf aufmerksam wird. Das können durchaus auch mal kopfstärkere Trupps sein, wie in diesem Jahr am südlichen Peenestrom.
Wiesenpieper fallen am ehesten durch ihre Rufe auf.
Zum Schluss sei noch die Schneeammer genannt. Auf dem Durchzug im Herbst gelingen jährlich einzelne Beobachtungen, aber als Wintergast fehlt sie hier weitgehend, ist dann eher an den Spülsäumen der Nordsee anzutreffen. Ein von einem Maisstoppelfeld bei Karnin auffliegender Trupp Stockenten riss 4 Schneeammern mit hoch, die anschließend dort noch einige Zeit ausgiebig beobachtet werden konnten.
Jeder mag nun selbst anhand der Liste noch weitere für ihn interessante Arten heraussuchen. Beschäftigungs- und Vergleichsmöglichkeiten gibt es noch genug.
Bericht: Bernd Schirmeister