Mittwinterzählung der Wasservögel am 11./12.01.14

Auswertung der Wasservogelzählung (Bernd Schirmeister)

Detaillierte Zahlenwerte in der Anlage am Ende des Textes

1. Zählgebiete, Zähler

 

- Datum 11./12.01., überwiegend wurde am Sonnabend, 11.01. gezählt, so dass

  Doppelzählungen und Überlagerungen weitestgehend ausgeschlossen werden können,

  einige Teilabschnitte wurden auch schon am Freitag bzw. am Sonntag erfasst

- insgesamt 14 Zählgebiete auf der Insel und im Peenetal

- insgesamt 26 Mitglieder der NABU- Regionalgruppe und Freunde waren beteiligt, Dank an

  alle Zähler für Mühe und Einsatzbereitschaft sowie gute Arbeit im Gelände

- erfreulich viel Neulinge und Interessenten, die aktiv beteiligt waren und für die Zukunft der

  Zählung hoffen lassen

- Rückmeldung der Daten erfolgte innerhalb von zwei Wochen, so dass anschließend mit der

  Auswertung begonnen werden konnte

- außerdem nationaler Gänsezähltermin im Rahmen des Monitorings der nordischen Arten,

  der eine getrennte Zusammenstellung der Daten auf gesonderten Zählbögen erfordert

 

 

2. Wetterbedingungen

 

- bis Mitte Januar herrschte fast ungewohnte, durchgehend milde Witterung, mit zum Teil

  zweistelligen Plusgraden

- es gab nur wenige Male leichten Nachtfrost

- diese Großwetterlage erstreckte sich bis nach Skandinavien und in das südliche

  Baltikum und war sehr stabil

- auf Grund der durchgehend milden Witterung gab es vorher auch keine großräumigen

  Winterfluchtbewegungen

- alle Gewässer waren am Zählwochenende offen, so dass jeder Zähler Wasser und auch

  Wasservögel vorfand

- die Erfassungsbedingungen waren fast optimal, bis 6°C bei bedecktem Himmel

- kleine Wermutstropfen waren der recht lebhafte Wind, der sich vor allem an den Küsten

  mit auflandigem Wind durch Wellenschlag störend bemerkbar machte und die durch Dunst

  (aber kein Nebel, wie am darauf folgenden Wochenende) etwas eingeschränkte Sicht

 

3. Ergebnisse

 

- die langfristig günstigen Wetterbedingungen ließen auf ein gutes Ergebnis hoffen

- es zeigte sich aber, dass durch die großräumig milde Witterung viele Wasservögel gar nicht

  bis in den südlichen Ostseeraum vorgedrungen waren, sondern offenbar weiter nördlich und

  östlich verblieben waren (Gänse, Schwäne, Enten)

- andererseits war auch an den hiesigen Gewässern eine sehr hohe Artenzahl an Wasservögeln

  anzutreffen

- überraschenderweise gab es auch noch recht intensive Zugbewegungen bei einigen Arten,

  insbesondere nordische Bläss- und Saatgänse sowie Singschwäne betreffend, die teilweise

  großräumig ihre Einstandsgebiete wechselten

- an jedem Gewässer hielten sich Wasservögel auf, niemand ging leer aus, auch wenn die

  Verteilung der Tiere keineswegs gleichmäßig war, z. B. waren auf den beiden großen

  Binnenseen der Insel (Gothensee und Schmollensee) fast keine Wasservögel anzutreffen

- im Peenetal waren die Polder Klotzow und Waschow sehr vogelarm, während sich auf den

  benachbarten Murchiner Wiesen Massen an Wasservögeln aufhielten

- durch den starken Wind mieden die Vögel auch weitestgehend die großen offenen

  Wasserflächen auf Haff und Achterwasser und hatten sich in die größeren, windgeschützten

  Buchten zurück gezogen, wo sie teils in großer Zahl rasteten (z. B. Krienker See)

 

- Jahr                          2014                           2013                           2012

  Gesamtzahl              41112                         18762                         35594

                                   (Mildwinter)              (Eiswinter)                 (Mildwinter)

                                   letztmalig 2009 eine ähnlich hohe Gesamtzahl an Wasservögeln

  Artenzahl                 47                               31                               44

 

- Schwerpunktgebiete: Peenestrom Mitte: 9518 Ind.,

                                   Achterwasser Süd:  7177 Ind.,

andere Binnenlandbereiche an Peenestrom und Achterwasser ebenfalls sehr vogelreich,    dagegen deutlich weniger Ind. auf der Ostsee, was für die Bevorzugung von Süßwasser-

rastgebieten spricht (Bsp. Bergente)

                                  

- häufigste Arten:

                                   2014                           2013                           2012

  Stockente                 7174                           5520                           8457

                                   Konz. am mittleren Peenestrom und den Murchiner Wiesen

  Blässgans                 4063                             333                           2909

                                   typisches Winterverhalten bei milder Witterung, aber auch schnelle

                                   Kälteflucht nach Westen möglich

  Gänsesäger               3840                           2091                           3094

                                   hauptsächlich nördliches und südliches Achterwasser, aber überall

                                   im Binnenland kleinere und größere Ansammlungen

  Graugans                  3321                           1523                           2699

                                   nochmalige, sehr bemerkenswerte Steigerung des Winterbestandes

 

- deutlich mehr Vögel:

   Kormoran                3619                             300                           2799

                                   Schlafplatz am Schmollensee, bei Vereisung des Sees jetzt jedoch

                                   verlassen

  Saatgans                   2067                             577                             636

                                   damit drei Gänsearten unter den häufigsten Wasservögeln, trotz

                                   ziemlicher Fluktuationen um das Zählwochenende, Konzentration

                                   v. a. an der Festlandsseite des Peenestroms

  Zwergsäger              1771                             878                           1003

                                   wie Gänsesäger binnenländische Rastplätze bevorzugend, hoher

                                   Winterbestand

  Schellente                2149                           1002                           1749

                                   als Tauchente auf offenes Wasser angewiesen, weicht aber auch

                                   problemlos auf die Ostsee aus                                 

  Haubentaucher           530                             113                             103

                                   fast alle auf dem Achterwasser, kaum an der Außenküste

 

 

- deutlich weniger Vögel:

  Mantelmöwe                          164                             349                             377

                                   überraschend wenige, aber vielleicht östlich überwinternd

  Silbermöwe                940                           2116                           2360

                                   ähnlich wie bei der Mantelmöwe     

- gute Übereinstimmung:

  Höckerschwan            580                             424                             527

                                   recht gleichmäßig verteilt, auch auf landwirtschaftlichen Flächen

                                   Nahrung suchend, z. T. schon verpaart auf den Brutgewässern

  Lachmöwe                1158                           1012                           1526

                                   als Strandmöwe profitiert sie dort auch von Fütterungen

  Seeadler                       57                               57                               71

                                   normaler Winterbestand aus den Brut- und Rastvögeln

 

- schwankende Bestände:

  Graureiher                194                               82                               191

                                   typisches Winterverhalten, kann vorteilhaft im Frühjahr durch

                                   zeitige Revierbesetzung sein, birgt aber auch Risiken

  Blässralle                 650                               93                               694

                                   erleidet in Kältewintern oder durch plötzliche Vereisung hohe

                                   Verluste

  Tafelente                1304                               19                              1580

                                   hohe Rastzahlen auch bei den anderen Tauchentenarten (Reiher-,

                                   Berg- und Schellente)

  Bergente                 2050                             926                               165

                                   nur im Binnenland, sonst eher Außenküste

 

- interessante Besonderheiten:

  Sterntaucher: (Seetaucherart): 9, Ostsee, oft küstenfern

  Ohrentaucher: (nordische Lappentaucherart): 37, davon 35 am Peenemünder Haken, hoher

                        Rastbestand, oft auch küstenfern, klein, bei welliger See leicht zu übersehen

  Silberreiher: 45, hohe Winterzahl, Insel Görmitz allein 25, Peenetal, dort auf Anklamer

                       Seite noch mehr

  Gründelenten:

            Pfeifente: 226, Peenetal, in der westlichen Ostsee und an der Nordsee Überwinterung

                                    in großer Zahl, aber soweit östlich selten viele

            Schnatterente:            103, zunehmende Tendenz zum Ausharren u. Überwinterungsversuche

            Löffelente: 11, noch ungewöhnlicher, da sonst reiner Zugvogel ins Mittelmeergebiet

            Spießente: 4, osteuropäische Entenart, recht winterhart

            Krickente: 75, kleinste heimische Entenart, braucht Flachwasser zum Gründeln

Kranich: 8, im Westen von M-V schon Hunderte Überwinterer, hier eigentlich nicht, aber

               mehrere umherziehende Trupps (Maisfelder)

Limicolen (Watvögel):

            Kiebitz: 129, Thurbruch, Peenemünder Haken, dieses Jahr überall im Land Trupps

            Goldregenpfeifer: 214, ein geschlossener Trupp am Stettiner Haff, an der Nordsee

                                         schon regulärer Wintergast, hier noch nie

            Großer Brachvogel: 197, hohe Zahl, Peenemünder Haken fast immer und Schlafplatz

                                             (neu) im Peenetal, auch bei dieser Art sind viele in M-V

                                             geblieben und haben einen Überwinterungsversuch gewagt

            Bekassine: 4, am Haff, sehr seltener Überwinterer, sonst Zugvogel nach Südeuropa,

                                  brauchen stocherfähigen Boden zur Nahrungssuche

            Pfuhlschnepfe: 1, Peenemünder Haken, regelmäßig schon in den Wattgebieten der

                                        Nordsee, hier Ausnahmegast im Winter

Eisvogel: 5, an verschiedenen Stellen, erfreuliche Zahl, die auch mal wieder auf Bruten im

                   Frühjahr hoffen lässt

 

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Detaillierte Zahlenwerte der Zählgebiete
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