Das Projekt Wintervogelerfassung

Zielstellung

Landesweite Brutvogelkartierungen, die alle in Frage kommenden Arten umfassen, werden in größeren Abständen, aber regelmäßig durchgeführt. Zusätzlich werden jährlich verschiedene Arten in vielen Gebieten des Landes systematisch erfasst. Dadurch stehen vielfältige Informationen zum Vorkommen, zur Verbreitung und zu den Beständen unserer Brutvögel zur Verfügung, ebenso wie Erkenntnisse über Zu- oder Abnahmen, Gefährdungsursachen und notwendige Schutzmaßnahmen.

 

Deutlich geringer ist hingegen der Kenntnisstand über das Vorkommen von Vögeln in den Wintermonaten. Seit 2010 gibt es deshalb eine Gemeinschaftsaktion für aktive Mitglieder der OAMV und andere ornithologisch interessierte Naturfreunde. Ziel ist es, insbesondere die Datenlage zu Vorkommen und Verbreitung von Wald- und Feldvögeln im Winter zu verbessern. So entstehen zugleich qualifizierte Datengrundlagen für die geplante Avifauna des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Methodik

Die Erfassung erfolgt als Linientaxierung entlang einer vom Beobachter selbst gewählten Strecke. Das Untersuchungsgebiet sollte dabei möglichst einheitlich strukturiert sein, also im Wesentlichen nur einen Biotoptyp wie beispielsweise Wald umfassen und nicht Wald und Offenland verbinden oder entlang eines Seeufers verlaufen, da es für Wasservögel bereits eigene Zählprogramme gibt.

 

Die lineare Zählstrecke sollte eine Länge zwischen drei und fünf Kilometern haben. Bei Rundwegen ist darauf zu achten, dass die Wege in offenem Gelände etwa 1.500 Meter und in gedecktem Gelände mindestens 300 Meter voneinander entfernt liegen, um Doppelzählungen zu vermeiden. Das Zählgebiet sollte möglichst innerhalb eines MTBQ liegen, um spätere Auswertungen zu erleichtern. Zusätzlich sind eine Routenbeschreibung sowie eine Kartenskizze mit eingezeichneter Strecke und Angabe der Streckenlänge beizufügen.

Zählung

Die Zählungen finden an zwei Terminen statt, jeweils im Januar und Februar im Abstand von etwa vier Wochen. Dabei werden die Beobachtungsbedingungen wie Temperatur, Bewölkung, Wind, Niederschlag, Sicht und Dauer der Zählung protokolliert. Erfasst werden alle Vogelarten im Sicht- und Hörbereich beiderseits der Route, während Vögel ohne direkte Beziehung zum Zählgebiet, etwa hoch überfliegende Arten, nicht berücksichtigt werden.

 

Nach jeder Begehung ist ein genormter Zählbogen auszufüllen. Eine ausführliche jährliche Statistik sowie eine umfangreiche Auswertung stehen nach Abschluss der Arbeiten allen Interessierten auf der Homepage zur Verfügung; ältere Jahrgänge sind im Archiv abrufbar.

Teilnahme der Usedomer NABU-Gruppe

Seit Beginn des Projektes im Jahr 2010 beteiligen sich Mitglieder unserer NABU-Gruppe Insel Usedom aktiv an diesem Programm. Fünf Strecken (zwei in Siedlungsbereichen, eine im Wald und zwei im Offenland) werden seitdem kontinuierlich bearbeitet. Die Zahl der Teilnehmenden sowie der betreuten Strecken schwankte im Laufe der Jahre immer wieder, unter anderem aus beruflichen, gesundheitlichen oder familiären Gründen sowie durch Um- oder Wegzüge. Im ersten Jahr waren wir mit insgesamt acht Strecken vertreten (zwei in Siedlungen, zwei im Wald und vier im Offenland wie Wiesen, Trockenrasen und Ackerland).

 

Nach diesen Schwankungen werden aktuell zehn Strecken bearbeitet (zwei Siedlung, zwei Wald, sechs Offenland), wobei zwei Mitglieder jeweils zwei Strecken übernehmen und eine Strecke seit Jahren im Team bearbeitet wird. Zu den aktuellen Teilnehmenden im Jahr 2026 gehören Jana Freitag, Cornelius Friedrich, Ute Gellendin, Marisa Kaster, Karl-Heinz Loist, Gerd Panknin, Kathrin Räsch, Bernd Schirmeister, Elise Schreiber und Sabine Weigler. Das ist eine erfreuliche Anzahl, sodass unsere NABU-Gruppe einen wichtigen Beitrag zu diesem landesweiten Programm leistet.

 

Darüber hinaus ist die Teilnahme immer auch ein persönliches Erlebnis: Man ist regelmäßig draußen in der Natur unterwegs, begegnet vertrauten Arten, lernt neue Vogelarten kennen, entwickelt ein immer besseres Verständnis für sein Zählgebiet und sammelt vielfältige Erfahrungen zu Vorkommen, Bestandsgrößen und jährlichen Schwankungen der Vogelwelt im komplexen Zusammenspiel ihrer Lebensräume. Manchmal wünscht man sich vielleicht etwas mehr Betrieb auf dem Rasen, doch eigentlich wird man jedes Mal belohnt, wenn man in der heimischen Natur unterwegs ist.

 

In der beigefügten Tabelle sind die wesentlichen Eckdaten des Programms sowie die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst; detaillierte Angaben zu Artenspektrum und genauen Bestandszahlen finden sich in den jährlichen Auswertungen. Die Kategorisierung nach Mild- oder Eiswintern bei der Wintervogelzählung (WiVoZä) ist dabei nicht streng meteorologisch zu verstehen, sondern bezieht sich auf die Bedingungen im jeweiligen Erfassungszeitraum. Vergleicht man diese Einteilung mit der internationalen Mittwinterzählung der Wasservögel (MWZ), können Abweichungen auftreten, da die MWZ nur an einem Wochenende Mitte Januar stattfindet. Ist die Witterung zuvor mild und die Gewässer eisfrei, spricht man dort von einem Mildwinter, selbst wenn es anschließend zu einem Kälteeinbruch kommt, der dann jedoch die WiVoZä beeinflusst. Umgekehrt kann es bereits zu Beginn des Winters sehr kalt sein, sodass die Gewässer zur MWZ zugefroren sind und ein Eiswinter vorliegt, während für die WiVoZä bei anschließender Milderung dennoch ein Mildwinter gilt.

 

Bericht und Fotos: Bernd Schirmeister

Download
Gesamtauswertung Wintervogelzählung ab 2010
WiVoZä- Gesamtübersicht.pdf
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