Am 06.06.26 fand unsere diesjährige Botanikexkursion statt. Dazu trafen sich elf Mitglieder der NABU-Gruppe auf dem Parkplatz am Forstamt Neu Pudagla.
Glücklicherweise hatte jemand die Führung übernommen, der richtig Ahnung von der heimischen Pflanzenwelt hat, unser Mitglied Werner Schnapp, als Geobotaniker mit Grünzeug bestens vertraut. Werner wusste nicht nur die Namen der zahlreichen Pflanzen, sondern auch deren Verwendung und Nutzen. Aber umfangreiche Artenkenntnis ist dabei vonnöten, denn es gibt auch Giftpflanzen. Deshalb war Werners Rucksack auch der schwerste, wegen der vielen botanischen Fachliteratur. Die benötigte er jedoch nur für die kniffligsten Gräser.
Das Wetter spielte mit, mit moderaten Temperaturen, Sonne- Wolken- Mix und wie allermeist im Frühjahr ohne Niederschläge.

Weit kamen wir jedoch nicht. Schon auf dem Parkplatz gab es allerhand Kräutich zu begutachten, was die zahlreichen Mücken freute, die wir jedoch später im Freiland hinter uns lassen konnten.
Breitwegerich wurde betrachtet, der bei Verbrennungen hilft. Schöllkraut, dessen Milchsaft Warzen heilt. Giersch, der einen leckeren Salat abgibt, zu Pesto oder als Spinatersatz taugt, als Tee getrunken werden kann, zudem bei Gicht und Rheuma hilft.
Hoch wucherte um diese Jahreszeit der Wiesenkerbel, der bei Magen- Darm- Beschwerden hilft, aber auch von zahlreichen Insekten geschätzt wird.
Nun aber raus aus dem Wald und ins Freie. Unser Weg führte uns heute vom Forstamt Neu Pudagla ein Stück entlang des Herrenweges, bevor wir dann auf einem Weg in Richtung Achterwasser weiterwanderten, um schließlich am Hafen Stagnieß anzukommen. Eigentlich nur ein kurzes Stück durch die schöne heimische Natur, wie wir zunächst dachten. Aber auf dem Weg lag ganz viel Ziel.
Für Rosi und Felix war es ein Heimspiel, wohnen sie doch im alten Forsthaus nahe des Hafens in Stagnieß. Rosi schrieb sich auch ganz fleißig allen Kräutich mit, möchte man doch schließlich wissen, was in der Umgebung alles so wächst.
Zunächst durchquerten wir noch ein kleines Erlenbruch. Am Graben stand Beinwell mit hübschen lila Blüten und die Hainklette. Das Deutsche Geißblatt und Efeu erklommen mit ihren Ranken die Bäume längs des Weges.
Nicht nur die Augen waren auf Empfang. Schließlich war noch Brutzeit und so ließ sich manch Sänger aus dem dichten Blattwerk hören. Mönchs- und Gartengrasmücke, Rotkehlchen, Gartenrotschwanz und Schwanzmeisen, dazu ein Buntspecht, der wohl auch Junge zu versorgen hatte.
Ein Neuntötermännchen wurde erspäht. Sicher ein Revierinhaber, denn dichtes und sparriges Gebüsch für die sichere Nestanlage gab es genug.

Dauernd gab es etwas zu sehen und zu hören. Beifuß und Gänseblümchen, eigentlich nichts Besonderes. Wenn Werner es erklärte, aber schon.
Gelbe Blüten traten in den Fokus, die Wegerauke, ein Kreuzblütler.
Am wegbegleitenden Graben blühten ebenfalls gelb die Wasserschwertlilien. Der Biber ist hier auch zu Hause, wie seine Spuren an der Grabenböschung verrieten. Im Schilf sangen Teichrohrsänger, noch häufiger aber Schilfrohrsänger, so dass man den Gesang schön vergleichen konnte. Auch den Wasserfröschen war nach Lautäußerungen. Es ging wohl wieder um die Weibchen.
Das Schwarzkehlchen hatten nicht alle gesehen, wohl aber Mäusebussard, Rotmilan und Seeadler, die nun mit steigender Thermik aktiv wurden. Die Greifvögel sind Brutvögel in der näheren Umgebung.
Uns wurde trockener im Hals, also gab es einen Imbiss und Getränke aus dem Rucksack.
Auch der Rasen wurde trockener und so fanden sich Weiße Lichtnelke, Ferkelkraut sowie Kleines Habichtskraut, an etwas feuchteren Stellen giftiger Vielblütiger Hahnenfuß und Rotklee, der bei Erkältungskrankheiten hilft
Ständiger Begleiter auf dem Weg war der Kuckuck, der hier sicher manches Rohrsängernest zu finden weiß, um darin ein Ei abzulegen.
Doch nun, tatsächlich - ein Pirol! Aus dem unweit gelegenen Birkenwäldchen ertönte der Vogel Bülow, wie er im Volksmund nach seinem Gesang auch heißt, es passte.
Wie schön Bäume wachsen und sich entwickeln können, wenn sie den nötigen Platz dazu haben, konnten wir jetzt an einer mächtigen und vitalen Eiche bewundern, die mitten auf der Wiese stand.
Mit Weicher Trespe, Tauber Trespe, Feldklee und Ackerknöterich ging es weiter. Der Weg zog sich und auch die Zeit. Es gab erste Konzentrationsschwächen trotz so viel interessantem Input.
Der Hohlzahn ist eine Pflanze mit hohlen vierkantigen Stängeln.
Bei einem häufig zu beobachtenden Schmetterling handelte es sich um einen Schwarzspanner, leicht zu bestimmen mit der passenden App.
Nun kam der Deich am Achterwasser in Sicht, den wir dank Felix an einem gut verborgenen Übergang über den Wassergraben erreichten.
Der Deich ist Landesdeich und wird gemäht, was vor wenigen Tagen auch passiert war. Kräutich gab es trotzdem noch.
Gilbweiderich hilft gegen Asthma. Rainfarn und Engelwurz kamen auf die Artenliste.
Zwischendurch wurden immer mal kurze Pausen eingelegt, so dass wir als Gruppe auch ein geschlossenes Bild abgeben konnten.
Die Flatterbinse ist im Grünland stark in Ausbreitung begriffen und ein Anzeiger für Bodenverdichtung.
Nun war der Hafen Stagnieß erreicht, mit Sportbooten reichlich. Dort trafen wir unerwartet auf Rico Ernst, den Hafenmeister von Netzelkow, der per Boot angekommen war, um sich mit dem Hafenmeister von Stagnieß zum Erfahrungsaustausch zu treffen.
In unmittelbarer Nachbarschaft kehrten wir zu kurzer Rast ins ehemalige Forsthaus bei den freundlichen Gastgebern Felix und Rosi ein. Essen und Trinken, Blumen und Schafe gucken, ein herrliches Anwesen, das aber auch noch viel Arbeit und Einsatz erfordert. Von dort ging es zurück zum Parkplatz.
Ganz herzlichen Dank, lieber Werner, für diese lange kurzweilige Wanderung, auf der wir erneut viel kennenlernen und erfahren durften.
Bericht: Bernd Schirmeister