Auswertung der Wintervogelzählung 2013 auf der Insel Usedom

Autor: Bernd Schirmeister

Anlage: Detailergebnisse der einzelnen Zählgebiete > siehe im Anschluss an die Auswertung

 

1. Teilnahme/Zählstrecken der Usedomer Regionalgruppe

 

- alle sieben Zählstrecken des vergangenen Jahres wurden erneut bearbeitet, davon sechs Strecken das vierte Jahr in Folge

- dabei wurden wichtige Lebensraumtypen (Wald, Offenland, Siedlung) abgedeckt, z. T. auch Gewässer

- insgesamt waren acht Mitglieder und Freunde der NABU- Regionalgruppe an der durch die OAMV landesweit organisierten Wintervogelzählung beteiligt

- Dank an die geleistete Arbeit und gezeigte Eisnatzbereitschaft

 Siedlung: Heringsdorf (K.- H. Loist, M. Kaster)

                   Bansin (B. Schirmeister)

Wald: zwischen Kölpinsee und Ückeritz (K. Räsch)

           um den Wolgastsee und das Schwarze Herz (H. Gärner)

Offenland: Thurbruch (B. Schirmeister)

                   zwischen Krummin und Zinnowitz am Strummin (A. und K. Knapp)

                   auf dem Gnitz (W. Nehls)

 

2. Methodik

 

- laut Erfassungsmethodik waren je eine Zählung in den Monaten Januar bzw. Februar durchzuführen in etwa vierwöchigem Abstand

- die zu wählende Route sollte zwischen 3 und 5 km lang sein, dabei sollte möglichst nur ein Lebensraumtyp kartiert werden

- auf dieser Route waren alle Vögel zu registrieren, die eine Beziehung zum untersuchten Gebiet haben

- das Zählgebiet sollte dabei innerhalb eines Messtischblattquadranten liegen, um spätere Auswertungen zu erleichtern

 

3. Erfassungsbedingungen

 

- die Wetterbedingungen wechselten im Laufe der Erfassungsperiode stark

- während es fast pünktlich im Dezember wieder einen Wintereinbruch gab, setzte sich vor Weihnachten mildes Wetter durch, so dass Anfang Januar bei leichten Plusgraden recht gute Erfassungsbedingungen herrschten

- nachfolgend setzte sich jedoch wieder winterliches Wetter durch, es bildete sich bei Dauerfrost auch wieder eine geschlossene Schneedecke von mehreren Zentimeter Dicke aus

- dabei blieb es auch bis in den Februar hinein, erst zum Monatsende setzte leichtes Tauwetter ein

 

4. Ergebnisse

 

- trotz der teilweise winterlichen Bedingungen mit Kälte und Schnee gab es keine Zählung ohne Vögel, wenngleich die Verteilung recht unterschiedlich war

- insgesamt wurden 6132 Vögel beobachtet, davon 3311 bei der ersten und 2821 bei der zweiten Zählung (2011:7070- 2599/4471, 2012: 9093- 4658/4435)

- daraus ergibt sich im Vergleich der letzten drei Jahre der bisher geringste Winterbestand auf den Kontrollstrecken, offenbar neigt doch ein größerer Populationsanteil von potentiellen Wintergästen mehr zum Ziehen oder Umherstreifen, wie das auch schon bei verschiedenen Wasservogelarten während der Mittwinterzählung deutlich wurde

- auffällig ist die annähernde Gleichverteilung der Gesamtzahlen der ersten und zweiten Zählung ähnlich wie auch 2012

- bei diesen Zahlen darf man jedoch nicht nur die Witterung bedenken, sondern auch das Nahrungsangebot, in den Siedlungen gibt es eine Reihe von Futterstellen, die von den Vögeln regelmäßig aufgesucht werden, im Offenland war Futter knapp, so gab es z. B. kaum Beeren tragende Sträucher, so dass Arten wie Wacholderdrosseln gezwungen waren, auf der Suche nach Nahrung viel herumzuziehen

- die nordischen Gänse waren ähnlich wie im vorigen Jahr mit dem ersten Wintereinbruch nach Westen abgewandert

- der enorm starke Herbstdurchzug von Meisen, insbesondere Kohlmeisen schlug sich nicht in höheren Winterzahlen nieder

- insgesamt wurden 57 Arten registriert (2011: 59, 2012: 67)

 

4.1. Wasservögel

- Wasservögel kamen nur wenige zur Beobachtung, zwar begannen die Gräben und Seen an den Zählstrecken im Januar aufzutauen, froren aber nach dieser kurzen Warmphase schnell wieder zu, dabei blieb es auch bis Ende Februar

- Möwen rasten regelmäßig auf den Dächern der größeren Häuser in den Seebädern, so dass hier eine Beziehung zur Zählgebiet besteht

- Gänse wurden in den Offenlandbiotopen bei beiden Zählungen gesehen, durch dievorangegangene Abwanderung jedoch nur in geringen Anzahlen (633- 464/169), 2012 insgesamt auch nur 798 Gänse

 

4.2. Greifvögel und Eulen

- insgesamt kamen sechs Greifvogelarten zur Beobachtung, davon Raufußbussard und Turmfalken nur in Einzelexemplaren, auch die Zahl der Mäusebussarde war gering, was eventuell für ein unzureichendes Mäuseangebot spricht

- nirgendwo gab es Ansammlungen von Greifvögeln, offenbar wirkte auch hier der frühe Wintereinbruch, der viele Greife zum Abwandern bewegt hatte, z. B. Mäusebussarde,

- durch die zugefrorenen Gewässer und geringe Gänsezahlen waren auch die Seeadler gezwungen, viel umherzuwandern

- auffällig waren in mehreren Gebieten überwinternde Turmfalken, das gab es in denVorjahren nicht

- Sperber traten in den Ortschaften seltener und unregelmäßiger auf als in den Vorjahren2- 2/0, 2012:7- 4/3)

- Eulen kamen nicht zur Beobachtung

 

4.3. Krähenvögel

- sechs Arten wurden registriert (Kolkrabe, Nebel- und Saatkrähe, Dohle, Elster, Eichelhäher)

- Nebelkrähen kamen dabei in allen Biotopen vor

- in Bansin bildete sich im Laufe des Winters ein Schlafplatz aus Saatkrähen und Dohlen heraus, das erklärt die diesjährigen hohen Zahlen bei der zweiten Zählung im Ort (Saatkrähe 550, Dohle 110), dieser Schlafplatz wechselte jedoch auch nach den aktuellen Bedingungen, z. B. passierte es, dass alle Krähenvögel nach Bezug des Platzes in Pappeln und Kiefern an der Promenade nahe des Strandes wieder zurück ins Binnenland flogen, weil ihnen bei starkem und kaltem Ostwind der Platz offenbar zu windig und ungemütlich wurde

- Elstern waren an diesem Schlafplatz nicht beteiligt, die beobachteten Vögel dürften den späteren Brutbestand bilden und konzentrierten sich auf die Siedlungen

 

4.4. Tauben, Spechte

- häufigste Taube war wiederum die Ringeltaube, aber in ungleich geringerer Zahl als in den Vorjahren, in diesem Jahr fehlten als wichtige Nahrungsgrundlage Bucheckern, da es bei der Buche eine Fehlmast gab (70- 32/38, 2012: 657)

- Buntspechte kamen auch in den Ortschaften zur Beobachtung, wenn parkartiges Gelände Lebensraum bietet oder Koniferen mit entsprechendem Zapfenbehang zur Verfügung stehen, genutzt werden aber auch regelmäßig Futterstellen

 

4.5. Singvögel

- diese Gruppe stellt mit 29 Arten (ohne Krähenvögel) die Hälfte aller Arten

- darunter sind so bekannte und typische Arten wie Haussperling, der als Standvogel am Ort verbleibt oder auch Kohl- und Blaumeisen, die in allen Lebensräumen beobachtet wurden

- in den Offenlandbiotopen wurden recht hohe Artenzahlen festgestellt, allerdings oft nur in geringen Individuenzahlen, Seidenschwänze z.B. waren wieder in hoher Zahl nachDeutschland eingeflogen, blieben aber auf Grund fehlender Beerennahrung nur kurze Zeit

- durch die ständig wechselnden Witterungsbedingungen gab es auch hier starke

Fluktuationen, z. B. bei Wacholderdrosseln (527- 489/38)

- auffällig waren diese Schwankungen auch in den Ortschaften, insbesondere an den Futterstellen, z. B. Feldsperling 92- 56/36)

- in den Tagen nach dem Silvesterfeuerwerk wurden absolute Tiefstwerte festgestellt, was gezielte Untersuchungen zu verheerenden Auswirkungen der Jahreswechselballerei auf die anwesenden Vögel bestätigte

- erst sehr langsam füllten sich die Vogelbestände wieder auf, besonders deutlich bei der Amsel

- Feldsperlinge waren im altholzreichen Heringsdorf wieder häufig, in Bansin dagegen fehlten sie im Winter im Gegensatz zu den Vorjahren fast völlig

- ein interessantes Verhalten zeigen die Haussperlinge in den Ortschaften, sie haben offenbar feste Lieblingsplätze, die in Hecken Deckung bieten und über ein entsprechendes Angebot an Nahrung verfügen

- im Wald wurden auffällig viele Baumläufer registriert (28- 7/21, 2012: 5), davon deutlich bei der zweiten Zählung, eventuell gab es ähnlich wie bei Kohlmeisen einen Einflug östlicher Populationen, zumal sich Baumläufer gern den winterlichen Meisentrupps anschließen

- auch Wintergoldhähnchen überwinterten in größerer Zahl (51- 11/40) als 2012:55 (2011:6, 2010: 8), das wurde auch in anderen Landesteilen so beobachtet

- Grünfinken kamen 2013 erheblich mehr zur Beobachtung (274- 140/134) als 2012 (186)

- Erlenzeisige 653- 354/299), 2012: 710 waren ebenfalls wieder häufig, sie treten im Winter manchmal in kopfstarken Trupps auf, konzentrieren sich an Gewässerufern oder Wiesengräben mit Erlenbewuchs, wo sie die Samen verzehren, zum Ende des Winters sie aber auch in den Ortschaften an Futterstellen gesehen werden

- Besonderheiten stellen zwei Raubwürger im Thurbruch dar, die als skandinavische Wintergäste dort Reviere bezogen hatten

- im Thurbruch konnten bei der ersten Zählung außerdem zwei Rohrammern gesehen werden, die normalerweise unser Gebiet im Winter vollständig räumen

- auch Grauammern sind nicht alljährliche Wintergäste, bei der zweiten Zählung kam einTrupp ebenfalls im Thurbruch zur Beobachtung

 

 

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Detailergebnisse der einzelnen Zählgebiete
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